Was sich im ersten Moment als durchaus normal für getunte Porsche anhört, ist auf dem zweiten Blick alles andere als gewöhnlich. Zum 30 jährigen Jubiläum des Porsche 911 produzierten die Stuttgarter 911 Fahrzeuge des Typs 964 mit turbobreiter Karosserie und Allradantrieb. Der Großteil in Violett. Angeblich sollen eine Handvoll Fahrzeuge in Speedgelb lackiert worden sein. Dies ist einer von drei Fahrzeugen in Deutschland.
Durch die Tieferlegung um 55mm, den Distanzscheiben und den schwarz gepulverten Felgen, wirkt der 964 Bj. 07/94 schon ein wenig furchteinflößend. Unter den serienmäßigen 17 Zöllern lauert die Bremsanlage des Turbo, mit gelochten Bremsscheiben und Rennbremsbelägen. Zur besseren Kühlung wurden die Nebelleuchten entfehrnt. Nun können den Bremsen durch die frei gewordenen Öffnungen, wie beim Sportmodell RS mehr Luft zugeführt werden.
Leistungssteigerung auf etwa 280 PS
Ab Werk leistet der 964 C4 WTL 250 PS. Mittels Rennsportluftfilter und Chip wurde die Leistung auf etwa 280 PS gesteigert. Das eigentliche Highlight des Autos ist jedoch der Sound. Nicht welcher aus dem Alpine CD-Radio kommt, sondern aus dem 90mm dicken Endrohr. Wer es mit eigenen Ohren nicht gehört hat, kann sich dieses Spektakel nicht vorstellen. Es ist etwa so, als ob sich ein Elfer und ein großer Ami V8 gepaart hätten, und gemeinsam abrockten. Dieser tiefe, sonore, V8lastige Elfersound kommt mittels eines Cup-Rohrs und einem By-Pass Rundbogen von Techart zustande. Mal eben die Partnerin überraschen oder morgens leise aus dem Haus stehlen ist nicht. Dafür ist der Elfer einfach zu laut. Beim Vorbeifahren sind auch schon mal Alarmanlagen angegangen. Das ultimative Hörerlebnis ist, durch einen Tunnel zu fahren, die Scheiben runter und Vollgas. Hier stehen garantiert alle Härchen zu Berge.
Ganz im Gegensatz zu dem extrovertiertem Gebahren des Autos, steht sein Besitzer. Gernot Humm ist zwar ein 1,90m großer, attraktiver Mann, aber sonst eher ein Vertreter der leisen Töne. Geduldig, zuvorkommend und charmant. Ein liebenswerter Gentleman eben. Also die absoluten Gegensätze könnte man meinen. Einerseits ja, aber anderseits finden sich doch so manche Gemeinsamkeiten. Zuverlässigkeit, Alltagstauglichkeit, harte Schale und guter Kern.
Trauer um den Alten
Die Leidenschaft für Porsche hat früh begonnen. Das erste Auto aus Zuffenhausen war ein Porsche 944 Turbo. Darauf folgte der erste Elfer. Ein Modell der G-Serie. Rot, Turboflügel und kerniger Gemballa-Auspuff-Sound. Mit einem Porsche kann man zwar problemlos Brötchen holen gehen, aber eines morgens kam das gute Stück nicht mehr im Ganzen zurück. Grüße an die Exfreundin. Doch die Trauer hielt nich all zu lange. Das gelbe Prachtstück holte das Strahlen in die Augen zurück.
Auch wenn man die guten Eigenschaften des Partners schätzt, geliebäugelt und geschwärmt wird schon einmal. Eine Schönheit aus Italien vielleicht. Ferrari oder Lamborghini, am liebsten in gelb oder orange. Das wäre schon was. Wenn Mittel und Möglichkeiten da wären, wer weiß. Aber wie heißt es so schön. Gucken ja, aber gegessen wird zu Hause.
Text und Bilder: Dirk Schmied



