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Mille Miglia 2009

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Die 2009er Ausgabe der berühmtesten und härtesten Oldtimer-Rallye der Welt gewinnen gleich zwei Ferraris. Nämlich die Italiener Bruno und Carlo Ferrari. Allerdings nicht auf einem Ross aus Maranello, sondern mit einem Bugatti Typ 37 aus dem Jahre 1927. Auch der zweite Platz geht an einen Boliden aus Frankreich. Die Argentinier Carlos Sielecki und Juan Hervas komplettieren den Erfolg mit einem Bugatti Typ 35A Baujahr 1926. Doch der dritte Rang geht an einen Italiener. Die Vorjahressieger Luciano und Antonio Viaro kamen mit ihrem Alfa Romeo 6C 1500 Super Sport von 1928 ebenfalls aufs Treppchen.

Der beste Ferrari erreichte das Ziel auf Platz 18. Ein 500 Mondial von 1955. Mit einem 160 PS 2,0 Liter Reihen-Vierzylinder Motor. Ja, richtig gelesen. Wegen damaliger Reglementsänderungen in der Formel 2 wurde der V12 wegen des zu hohen Benzinverbrauchs gegen einen kleineren, leichteren und sparsameren Vierzylinder eingetauscht. Zwar untypisch, aber effektiv. Der 200 km/h schnelle und 750 Kilo leichte Renner wurde nur in sehr geringen Stückzahlen gebaut.

Über 1.700 Teams haben sich beworben

Die weiteren Platzierungen der insgesamt 31 Ferrari Teams verteilen sich im riesigen Feld der insgesamt teilnehmenden 375 Fahrzeuge. Mehr als 1700 Teams haben sich für das diesjährige Rennen beworben. Die Veranstalter hatten also die Qual der Wahl sich die besten Fahrzeuge auszusuchen. Generell dürfen nur Autos teilnehmen, die auch tatsächlich die originale Rallye von 1927 bis 1957 bestritten haben. Bzw. Fahrzeuge gleicher Bauart. Die Hürde von 5.775 Euro Startgeld war wohl weniger das Problem. Dem Auswahlverfahren zum Opfer gefallen sind auch hochwertige und prominent besetzte Werksteams von BMW und Audi.

Als im Jahr 1957 das Rennen wegen des Unfalls von Alfonso de Portago (12 Tote) für immer beendet wurde, starb auch ein Teil in den Herzen der Teilnehmer und Fans. Erst 1977 wurde das Feuer neu entfacht. Jedoch nicht als Rennen im üblichen Sinne, sondern als Gleichmäßigkeitsprüfung für Oldtimerenthusiasten. Die allerwenigsten Piloten von heute haben den Anspruch auch wirklich zu gewinnen. Es ist vielmehr das dabei sein, den Geist von damals zu spüren, und die unglaubliche Atmosphäre zu genießen. Jubelnde Zuschauer säumen die Straßen.

Ausnahmezustand in Italien

Der Duft von verbranntem Öl und Gummi, der Gänsehautsound der alten Preziosen – das macht schon an. Ausnahmezustand und Volksfeststimmung. Nicht nur die Einheimischen fiebern diesem Tag entgegen. Besucher aus allen Ländern reisen nach Italien rund um die 1000 Meilen lange Strecke von Brescia über Verona, Ferrara, SanMarino nach Rom und wieder zurück über Siena, Firenze und Modena nach Brescia. Andrang und Stimmung gleicht etwa der Tour de France.

Das Bild des Zieleinlaufs hat prinzipiell nichts mit der Leistungsfähigkeit der Fahrzeuge und Fahrer gemein. Vor dem Krieg beherrschte Alfa Romeo das Geschehen, nach 1947 waren es die Ferraris, die es zu bezwingen galt. In diesem Jahr waren es wohl ein paar Ferrari weniger als sonst, aber dennoch konnte man die ganze Palette bestaunen. 166, 195, 212, 225, 250, 500 Mondial, 750 Monza, 340 America, 500 TRC in all ihren Varianten und Formen. Und dieser unnachahmliche Zwölfzylindersound. Ein Genuss und Erlebnis, diese Fahrzeuge einmal live in ihrer natürlichen Umgebung in Aktion zu erleben. Ein Fall für Dauergänsehaut.

Marken die keiner mehr kennt

Aber auch die Konkurrenz hatte einiges zu bieten. Da waren beispielsweise die Jaguar, Bentley und Aston Martin in ihren schönen Karossen. Die Alfas, Lancias, Maseratis aus Italien oder die BMW, Porsche und Mercedes aus Deutschland. Und die vielen kleinen Marken, die heute kaum einer mehr kennt. Wie zum Beispiel Riley, Giannini, Cisitalia, Stanguelini, Ermini, Gilco, Siata oder Veritas. Namen, die einige Fragezeichen aufwerfen dürften, aber schöne Autos bauten. Einer der Stars dieser Veranstaltung war der Mercedes SLR von Stirling Moss, der von Ex-Formel 1 Fahrer David Coulthard pilotiert wurde.

Coulthard, der zum ersten Mal die Mille Miglia fuhr, hatte nach der Fahrt den größten Respekt vor den Fahrern und der Technik der damaligen Zeit und vor allem vor Sir Stirling Moss, der immer noch den Rekord für dieses Rennen hält. 1955 schaffte er die Tausend Meilen (etwa 1600 km)in knapp über 10 Stunden mit einem Durchschnittstempo von rund 160 km/h. Und das auf öffentlichen Straßen, durch Dörfer und Menschenmengen. Es muss eine Mischung aus Ritt auf der Kanonenkugel und dem Elefanten im Porzellanladen gewesen sein. Der Wahnsinn. Für Mensch und Maschine ist die heutige MM selbst bei vergleichsweise moderatem Tempo eine Tortur. Wie muss es wohl früher bei richtigem Renntempo und hartem Wettbewerb gewesen sein.

Promis sind immer dabei

Hinter Coulthard reihte sich ebenfalls ein ehemaliger Formel 1 Fahrer ein. Mikka Hakkinen im aktuellen Mercedes McLaren SLR Stirling Moss. Promis sind bei einer solchen Veranstaltung natürlich immer dabei. Beispielsweise der Sohn der holländischen Königin Beatrix samt Frau Prinzessin Annette in einem weißen Porsche 550. Oder Yuriy Luyhkov, Bürgermeister von Moskau auf einem Talbot von 1934. Auch Walter u. Giovanni Burani (vom Gleichnamigen Modelabel) nahmen mit einem 54er Ferrari 750 Monza teil. Selbst wenn das die meisten kaum interessieren dürfte. Denn bei der Mille Miglia sind all gleich. Jeder und alles wird bejubelt. Egal ob Ferrari Rennwagen oder die Isetta, die außer Konkurrenz mitfährt und mit einer Laola Welle begrüßt wird. Sogar die sonst so strengen Polizisten scheinen nicht im Dienst zu sein. Massive Tempoverstöße, fahren ohne Licht (im Dunkeln), alles ist möglich.

Dabei fährt die Gefahr immer mit. Schließlich bewegt man sich auf öffentlichen Straßen. Es ist nichts abgesperrt. Auch wenn es eine Gleichmäßigkeitsprüfung ist, erreichen die teilweise bis zu 300 PS starken Boliden beachtliche Geschwindigkeiten. Von einigen privaten „Spinnern“ einmal abgesehen. Wie jedes Jahr, spielt das Wetter eine wichtige aber nicht entscheidende Rolle. Man ist auf alles vorbereitet. Das es an einem der Tage regnen wird, ist klar. Dieses Jahr war alles dabei. Von sengender Sonne bis Schnee auf dem Pass. Was auch einem Maserati und einem Renn-Ferrari zum Verhängnis wurde. Verluste müssen mit eingerechnet werden.

Organisatorisch alles richtig gemacht

Im Vergleich zu den letzten beiden Jahren, sei die Strecke besser und sportlicher gewesen, hieß es bei den Fahrern. Die Streckenführung wurde in einigen Details verändert. Aus organisatorischer Sicht hat man wohl alles richtig gemacht. Das neue Komitee besteht aus drei Organisationen. MAC Events, Meet Comunicazione und Sanremorally. Vorstand ist Alessandro Casali. Von 2008 bis 2012 darf regiert werden. Einige Stimmen sagen, dass der Schickimicki in die Mille Miglia einzieht. Mit eigenen VIP Zelten usw. Das passt so gar nicht in das Bild dieser Volksnahen und herzlichen Atmosphäre der Mille Miglia. Aber das wird die abertausende Fans nicht abschrecken. Schließlich stehen hier die Autos und die Fahrer im Mittelpunkt. Jetzt kehrt erst einmal wieder Ruhe ein. Bis zum nächsten Jahr, wenn Ferrari & Co. den Ausnahmezustand wieder einläuten.

 

Text: Dirk Schmied

Bilder: Bernd Wimmer

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