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Alfa Romeo 8C Competizione

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Kaum ein anderer Sportwagen konnte in den 30ern so viele Siege einfahren wie der Alfa 8C in seinen unterschiedlichen Ausführungen. Allein von 1931 bis 1934 gewannen die Italiener  mehrmals die 24 Stunden von LeMans, die Mille Miglia, die Targa Fiorio und den GP von Italien in Monza. Die jeweiligen Straßenversionen galten mit ihrer fortschrittlichen Technik (Reihenachtzylinder mit Aufladung und Transaxle-Getriebe) zu den schnellsten Fahrzeugen der Welt.

Nun hat Alfa Romeo die ruhmreiche Vergangenheit seiner Marke wieder aufleben lassen. Mit der Wiedergeburt des 8C als Competizione und Spider. In einer limitierten Stückzahl von jeweils 500 Fahrzeugen dürfen sich die beiden Pretiosen schon jetzt zu den exklusivsten Fahrzeugen der Welt zählen. Zu den technischen Highlights zählen ein 4,7 Liter V8 mit 450PS, ein sequentielles an der Hinterachse montiertes Getriebe und ein Chassis mit Anbauteilen aus Kohlefaser. Autos-pur.de hat den Alfa 8C Competizione einem ausführlichen Fahrbericht unterzogen.

Die Salma Hayek unter den Autos

Kann man diese Kurven und Linien nüchtern und objektiv betrachten? Das Design spricht eine eindeutige Sprache. Es sorgt unweigerlich für Staunen, Schweigen und Kopfschütteln. Der 8C Competizione ist die Salma Hayek unter den Autos. Die Kurven, Formen und Linien sind schlicht atemberaubend. Ein zufällig vorbeilaufender Passant bringt es auf den Punkt: „Ein so schönes Auto habe ich noch nie gesehen“

Design follows function. Beim 8C wird diese Regel auf den Kopf gestellt. Der Optik ordnet sich alles unter. Der in einem speziellen Mehrschichtverfahren aufgetragene Lack lässt die Farbe besonders tief wirken. Am Heck des Coupe öffnet sich nur eine filigrane Glasscheibe, der Kofferraum wird lediglich durch einen dünnen Schlitz vertreten. Kein Spalt, kein Griff, keine Laderaumkante stören die geschwungenen Formen des Hecks. Verreisen aber lässt es sich trotzdem. Hinter den Sitzen bietet der 8C Platz für zwei maßgeschneiderte Koffer.

Cockpit: nicht perfekt, aber herrlich

Auch im Innenraum setzt sich die Orgie aus handgearbeitetem Stil fort. Der Pilot blickt auf eine aus dem vollem gefräste Mittelkonsole in echtem Aluminium. Die Kippschalter lassen sich betätigen wie in einem alten Flugzeug. Dazu betört der 8C mit seinem feinen Ledergeruch die Sinne seiner Passagiere. Welch herzerwärmender Kontrast zu den üblich gewordenen Plastiklandschaften im Cockpit. Die nicht ganz perfekte Ergonomie mit dem etwas merkwürdig platzierten Lenkrad verzeiht man dem Italiener ebenso wie das hoffnungslos veraltete Navigationssystem. Gerade in diesem Auto dürfte der Weg  umso häufiger das Ziel sein.

Der Fahrer macht es sich in dem aus dem Ferrari Enzo entliehenen Sitzen bequem. Engine Start. Ein lautstarkes Brüllen erfüllt den Raum. Der 8C sieht nicht nur rassig aus, er klingt auch so. Wir verlassen die Parkgarage und bewegen uns Richtung stadtauswärts. Die auf dem Mitteltunnel platzierte Sport-Taste des Italieners dient vorwiegend der Modellierung von Lautstärke und Klangbild. Im Normalmodus spielt der 8C bereits einen kräftigen, sanften Bass. Aber erst auf Sport erhebt sich die ganze Klangbreite seiner Stimme.

Frenetisches, tiefes Bollern des 4,7 l V8

Alfa Romeo 8C ist wie nicht anders zu erwarten mit dem Talent eines Startenors gesegnet. Wer den V8 über die gesamte Drehzahlleiter klettern lässt erntet frenetisches, tiefes Bollern, welches entfernt an einen amerikanischen Nascar Rennwagen erinnert. Nur mit mehr Exotik, mehr Frequenz, mehr Fortissimo. Es ist ein italienischer V8 und als solcher dreht er nicht nur mühelos bis 7500 U/min sondern veranstaltet auch ein gewaltiges Drama wenn man den Gasfuß wieder zurücknimmt. Dann brodelt es böse aus dem Auspuff. Während andere ihrem Sportauspuff lediglich ein paar Überreste nicht verbrannten Sprits genehmigen, spritzt der 8C extra Kraftstoff hinzu. Das mag ökologisch nicht ganz korrekt sein, aber es klingt fantastisch.

In Anbetracht dieses Klanginfernos fällt es einem schwer über das restliche Können des Aggregats ein nüchternes Urteil zu fällen. Aber auch objektiv betrachtet spielt der aus dem Maserati Gran Turismo S entliehene Achtzylinder in der ersten Liga. Im Alfa hat der überarbeitete Motor jedoch gut 300kg weniger zu schleppen. Die 450PS haben somit mit den 1585kg in keinem Drehzahlbereich auch nur die geringste Mühe. Die Kraftentfaltung erfolgt ausgesprochen harmonisch und ohne Drehmomentspitze. Überholvorgänge gestalten sich betont lässig.

Weiche Gangwechsel

Dennoch animiert der 8C nicht vordergründig zum Schnellfahren. Die sequentielle Schaltung ist vorwiegend um weiche Gangwechsel bemüht. Das Jagen nach Bestzeiten hat der 8C weniger nötig als kaum ein anderes Auto. Er könnte wenn er denn wollte. Knapp 300 km/h Spitzengeschwindigkeit und 4,2 Sekunden für den Standardsprint dürften genug sein um den Gardasee von München aus in gut 4 Stunden zu erreichen. Vorausgesetzt natürlich die Carabinieri haben nichts dagegen.

Wer die Autobahn scheut der kann sich mit dem 8C auch auf der Landstraße vergnügen. Genauso wie beim Aggregat hat der Alfa Romeo auch bei Chassis und Fahrwerk beste Anlagen. Ähnlich wie die großen Vorbilder sitzt auch beim 8C das Getriebe vor der Hinterachse, die Räder sind an doppelten Querlenkern aus Leichtmetall vorne wie hinten montiert. Somit ergibt sich eine ausgewogene Gewichtsverteilung. Die erstklassigen Zutaten setzt der Alfa so denn auch optimal um.

Saubere Rückmeldung für den Fahrer

Das Frontmittelmotor-Coupe umrundet Biegungen jeder Art mit der für italienische Coupes typischen Seitenneigung. Dennoch geht der 8C unter Last stets neutral und ohne Traktionsprobleme ums Eck. Im Gegensatz zu den größeren Verwandten von Ferrari und Maserati bevorzugt der 8C auf Grund seines kurzen Radstandes eher langsame Biegungen. Der Fahreindruck ist insgesamt ein gutes Stück puristischer als z.b. in einem Ferrari California der den Piloten mit einer betont leichtgängigen Lenkung und elektrisch gesteuerten Dämpfern verwöhnt. Beim 8C begleiten die Lenkung spürbare Rückstellkräfte die aber ein zielgenaues, präzises Fahren ermöglichen. Die hohe Karosseriesteifigkeit garantiert eine saubere Rückmeldung für den Fahrer.

Das Einlenkverhalten erfolgt spontan, Lastwechsel erfordern bei deaktiviertem ESP jedoch einen wachen Geist. Bei aller Dynamik steht beim 8C auch ein gewisser Federungskomfort auf dem Programm. Die betont sportliche Härte zahlreicher Supersportler lässt der 8C außen vor. Er ist um eine ausgewogene Abstimmung bemüht. Das gilt auch für die Stahlbremsen, die sich  vorwiegend durch ihr gutes Ansprechverhalten auszeichnen. An die Standfestigkeit moderner Keramikscheiben reicht die Anlage jedoch nicht heran. Auch hier gilt: Um die letzten Zehntel muss er sich nicht kümmern. Für die Meute wildgewordener Massensportler reicht es trotzdem. Laut Aussage eines Alfa Testfahrers kann der 8C die Nordschleife immerhin in knapp unter 8 Minuten umrunden.

Nur 500 Stück

Aber wer will bei diesem Auto schon wirklich über Zahlen reden? Diskussionen über Rundenzeiten erscheinen bei diesem Kunstwerk ebenso fehl am Platz wie die Frage nach dem Preis. Natürlich gibt es einen, weitestgehend handgearbeiteten, auf 500 Stück limitierten Sportwagen nicht geschenkt. Mindestens 160.000 Euro verlangt Alfa für seine sportliche Speerspitze aus Modena.

Wie der Autor meint nicht zu viel für eine Naturschönheit mit grandioser Stimme und höchstem Seltenheitswert. Mit mehr Stil lassen sich Distanzen kaum bewältigen. Kann man sich wirklich in einen PKW verlieben? In eine bella macchina vermutlich schon. Im Falle des 8C Competizione könnte man durchaus von einer bellissima macchina sprechen. Glücklich darf sich derjenige schätzen, welcher diese Schönheit sein Eigen nennen darf.

 

Text: Martin Englmeier

Bilder: Alfa Romeo

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