Schöne Autos bauen, das konnten sie schon immer, die Italiener. Bezaubernde Karossen zum verlieben und schwärmen. Ganz wie bei einer betörenden Frau. Doch mit aussehen alleine, ist es bei den meisten nicht getan. Das gilt bei Autos genauso wie bei Menschen. Die inneren Werte müssen ebenfalls stimmen.
Über den Alfa Spider braucht man nicht zu diskutieren. Zumindest über die Optik. Unser weißer Testwagen brachte nicht nur die Frauenherzen in Wallung. Selbst gestandene Männer wurden bei diesem Anblick schwach. In der Vergangenheit mussten sich Spider Fahrer jedoch einiger Kritik aussetzen lassen. Bei den älteren Modellen war das Thema Zuverlässigkeit und Verarbeitung das Gespräch, beim aktuellen Modell das hohe Gewicht und die verhältnismäßig schwachen Motoren. Zumindest bei den Benzinern.
Neuer 1.8er Turbo mit 200 PS
Der neue 1742 cm³ große Vierzylinder Turbo mit Benzin-Direkteinspritzung könnte Abhilfe schaffen. Wir testeten eine Woche lang die vielversprechende Kombination mit dem 200 PS Triebwerk. 1580 Kilo Leergewicht bringt das Fahrzeug auf die Waage. Immerhin 160 Kilo weniger, als das Topmodell mit dem 260 PS starken 3.2 l V6 und Allradantrieb. Bei nur geringfügig schlechteren Fahrleistungen und deutlich geringerem Verbrauch und Grundpreis.
Von schwächlich kann bei diesem Motor keine Rede sein. Über das komplette Drehzahlband ist genügend Kraft vorhanden. Bereits ab 1.400 U/min steht das maximale Drehmoment von 320 Nm zur Verfügung. Ein Turboloch ist kaum spürbar. Dementsprechend spontan und kraftvoll zieht es den Spider aus jeder Lebenslage ordentlich und mühelos voran. Vor allem Mühelos scheint das richtige Wort für dieses Triebwerk zu sein.
Liegt sehr stabil
Bei voller Beschleunigung aus dem Stand, ist man nach 7,8 Sekunden auf Hundert. Dabei kommen die angetriebenen Vorderräder ganz gut mit den 200 PS zurecht. Antriebseinflüsse sind nur gering zu spüren. Vor allem der Durchzug, egal aus welcher Geschwindigkeit, macht immer wieder Laune. Lässt man dem Spider freien Lauf, meldet die Tachonadel immerhin 235 km/h. Das Auto liegt sehr stabil und pfeift dabei das Lied vom Wind. Das Pfeifen kommt vom Stoffverdeck, welches bei knapp 180 Sachen Töne von sich gibt.
Im geöffneten Zustand bleibt der Wind, dank ausgefeilter Aerodynamik und dem feststehenden Windschott, bis in höhere Geschwindigkeitsregionen draußen. Die Frisur meiner Beifahrerin hat es klaglos überstanden. Eine nicht zu unterschätzende Eigenschaft… Was nicht heißt, dass der Alfa deswegen ein Frauenauto ist. Die sportliche Härte des Fahrwerks ist nichts für Empfindliche. Besonders kurze Stöße mag er nicht besonders und meldet diese recht ungefiltert an die Insassen weiter.
Schnell um die Kurve
Wie auch das verstärkte Nachlaufen der Spurrillen ist dies ein Nachteil der montierten (optional) 19 Zoll Räder. Für 1600,-- Euro gibt es die schmucken, in Dunkelgrau gehaltenen „Competizione“ Räder in der Größe 235/40 rundum. Neben der tollen Optik sind sie vornehmlich für eine verbesserte Fahrdynamik zuständig. Serienmäßig werden 225er 17 Zoll Räder montiert. Zugegeben waren wir bezüglich der möglichen Kurvengeschwindigkeiten und dem Fahrverhalten des Spider positiv überrascht.
Sehr neutral und mit kaum Seitenneigung pfeilt der Alfa um die Ecke. Hierbei kommt nie das Gefühl der Unsicherheit auf. Selbst wenn die Reifen schon quietschen. Lediglich in engen Kurven macht sich das vergleichsweise hohe Gewicht bemerkbar und schiebt über die Vorderräder nach außen. Auch die Bremsen beißen nachdrücklich zu. Zusammen mit dem spritzengen Motor lassen sich somit ganz eindrucksvolle Fahrerlebnisse erzielen. Er kann also, wenn er will. Doch will er?
Der Sound fehlt
Bereits nach wenigen Kilometern war klar, dass die bevorzugte Fahrweise eher eine entspanntere ist. Das mag vielleicht ein wenig an der Geräuschkulisse liegen. Vier dicke Endrohre zieren das Heck. Alfa Romeo ist bekannt für seine gut klingenden Motoren. Die Erwartungshaltung ist entsprechend hoch. So toll der Vierzylinder Turbo auch ist, den Sound könnte man ihm jedoch ankreiden. Er hat nämlich gar keinen. Nicht einmal bei Vollgas im Tunnel lassen sich dem Triebwerk markante Töne entlocken.
Für Soundfetischisten eine Enttäuschung. Für die gemütliche Fraktion eine Wohltat. Es ist jedoch zu vernehmen, dass Alfa in diesem Bereich nachbessern will. Also genießen wir noch die letzten einigermaßen warmen Tage. Machen das vollelektrische Stoffdach auf (ca. 28 Sekunden – nur im Stand) und cruisen durch die Gegend. Innen ist der Spider mindestens genauso schön wie außen. Sportlich straffe, aber dennoch bequeme Sitze mit genügend Seitenhalt für fast alle Größen. Nur ganz große Menschen kommen dem Dach etwas zu nahe, da die Sitze für einen Sportwagen relativ hoch angesiedelt sind. Was aber der Übersichtlichkeit förderlich ist.
Ideal für Kurzreisen zu zweit
Lenkrad, Schalthebel, Armaturen - alles fühlt sich gut an. Generell macht das dem Fahrer zugwandte Cockpit einen wertigen und stabilen Eindruck. Mit Extras wie beispielsweise der Mittelkonsole aus Carbon, lässt sich der Innenraum noch weiter aufhübschen. Wer 770,-- Euro übrig hat, dem empfehlen wir das Bose-Soundsystem. Der leise Motor wird hier wieder zum Vorteil für einen ungetrübten Hörgenuss. Ein Auto, das geradezu prädestiniert ist, für Kurzreisen zu zweit.
Der Spider ist zwar kein Ladewunder, aber das Wochenendgepäck passt locker in den Kofferraum.
Wer viel fährt, hat zwangsläufig den Spritverbrauch im Auge. Wie bei allen anderen Autos auch, hängt der Verbrauch stark von der Fahrweise ab. Das Euro 5 Triebwerk ist mit einem Durchschnittsverbrauch von 8,2 l/100 km angegeben, den man auch schaffen kann. In der Praxis pendelte sich der Verbrauch bei uns um etwa 10 Liter ein. Wer häufiger das Gaspedal durchtritt, liegt dann schon mal bei Durchschnittlich bis zu 14 Litern.
Für den 1.8er Turbo steht nur das 6-Gang Schaltgetriebe zur Verfügung. Eine Automatik haben wir jedoch auch gar nicht vermisst. Schalten im Spider macht nämlich Laune. Die richtige Mischung aus sportlich knackig und angenehm leichtgängig. Schade nur, dass beim Schalten ab und an ein leichtes Kratzen zu vernehmen war. Ansonsten perfekt.
Fazit:
Der Alfa Spider ist ein wunderschönes Auto, bei dem auch die inneren Werte stimmen. Ein herrlich kräftiger und geschmeidiger Motor mit angemessenem Spritverbrauch. Für Sportler zu leise, für Genießer genau richtig. Der schicke und wertige Innenraum macht jede Fahrt zum Genuss. Ob geschlossen oder oben ohne. Kann man sich in ein Auto verlieben? Ich glaube schon. Jedenfalls fiel es mir sehr schwer, das Auto wieder abzugeben. Für 31.950,-- Euro könnte er mir gehören. Unser Testwagen kam jedoch mit den eingebauten Extras auf knapp über 40.000,-- Euro. Eine interessante Alternative zu TT, SLK und Co. Wahrscheinlich sogar die schönste.
Text: Dirk Schmied
Bilder: Tina Seifert
Der große Weiße mit dem kleinen Schwarzen – früher und heute.
Über 40 Jahre beträgt der Altersunterschied zwischen diesen beiden Beautys von Alfa Romeo. Zu unserem weißen Testwagen gesellte sich ein schwarzer Alfa Romeo Duetto Spider von 1966. Nicht nur farblich könnten die Unterschiede kaum größer sein. Abgesehen von der Herkunft und der Tatsache, dass beide Wagen ihre Betrachter entzücken, hat sich in diesen vier Jahrzenten eine Menge getan.
Während der Typ 105.03 mit der Erstzulassung von 1967 eher zierlich und schlank daher kommt, wirkt der aktuelle Spider doch deutlich wuchtiger und bulliger. Die vielen angenehmen Einrichtungen und Helferlein, sowie die notwendige Sicherheitsausstattung haben beim Spider von Jahrgang zu Jahrgang immer mehr Pölsterchen angesetzt. Bescheidene 1000 Kilo wiegt der Urahn. Rund 600 – 700 Kilo mehr, der jüngste Spross.
Zur damaligen Zeit recht flott
Damals holte man aus dem 1556 cm³ großen Motor immerhin 109 PS bei 5600 U/min heraus. Heute sind es dank moderner Technik und Turbolader entspannte 200 PS. Bei etwa gleichem Verbrauch. 180 km/h schaffte der Oldie, von dem 1966 und 1967 exakt 6324 Exemplare gebaut wurden. Was zu dieser Zeit ein sehr ordentlicher Wert war.
Bernd Wimmer aus Nußloch bei Heidelberg hat dieses Fahrzeug mit der Fahrgestellnummer AR661864 von 1990 bis 1994 in liebevoller Feinarbeit restauriert. Das Resultat ist einmalig. Es dürfte wohl kaum ein Fahrzeug dieser Art in einem besseren Zustand zu finden sein. Laut Wertgutachten vom TÜV Südwest wurde das Auto 1995 mit einem Wert von 39.000 DM und besser als neu eingestuft.
Der neue 1.8er Turbo ist wohl neben dem Diesel die beste und sinnvollste Motorvariante für den aktuellen Spider. Gewicht und Verbrauch halten sich somit in einem vernünftigen Rahmen. Er ist zudem geschmeidig, laufruhig und bietet einen kräftigen Antritt aus jeder Lebenslage. Die nächste Spider Generation darf ruhig ein weinig leichter und drahtiger ausfallen. Und die Motoren mehr Sound haben – so wie der Urahn. Dann ist er perfekt.
Text und Bilder: Dirk Schmied
Text: Dirk Schmied
Bilder: Dirk Schmied / Tina Seifert
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