
Provokant nicht wahr? Kommt nicht von uns. Das sind die Worte von Erich Bitter, auf die Frage, warum sein neuestes Projekt Vero heißt.
Vero ist italienisch und bedeutet "wahr". Ein Viertürer, bzw. eine Limousine musste es sein, weil er mittlerweile eher die ruhigere Gangart bevorzugt, Platz braucht und die Alltagstauglichkeit Vorrang hat. Außerdem ist Erich Bitter keine 20 mehr, sondern mittlerweile stolze 75. Auch wenn man es ihm nicht ansieht und er mich mit meinen 37 Jahren fitnessmäßig in die Tasche steckt. In der Woche stehen immerhin 50 Kilometer laufen, reiten und arbeiten auf seinem Bauernhof an.
Erich Bitter schert sich nicht um Trends
Zudem muss sich Erich Bitter um die Geschäfte kümmern. Zwar wurden Mitarbeiter und Stückzahlen runtergeschraubt, aber langweilig wird es nicht. Immer unterwegs, ob Flugzeug oder im Auto. 80.000 km fährt Erich Bitter im Jahr. Ein weiterer Grund warum es unbedingt eine Limousine sein sollte. Wer den Meister kennt, weiß, dass die Autos nach seinen eigenen Vorstellungen entstehen. Es geht nicht darum, was gerade auf dem Markt verlangt wird. Vielmehr sind es die persönlichen Vorlieben, die in Blech und Kohlefaser gemeiselt werden.
Kommen wir zum Vero. Man kann dieses Auto aus zwei Perspektiven sehen. Zum einen als unheimlich exklusives Model für Fans und Individualisten. Gerade einmal 6 Fahrzeuge wurden bisher ausgeliefert. Einen Bitter zu fahren, ist ein elitäres Vergnügen und hat bereits einen gewissen Kultstatus. Für Leute, die etwas besonderes suchen.
Über 100.000 Euro für den Vero
Andere werden sagen, es ist nichts weiter als ein umgebauter Holden Statesman. Großserientechnik von General Motors. Dazu ein saftiger Preis von immerhin 103.530 Euro. Zugegeben, es stimmt beides. Und das macht den Bitter Vero gerade so interessant. Erich Bitter ist nicht technik-verliebt. Viel wichtiger ist ihm ein zuverlässiges Auto, dass man jeden Tag ohne Probleme bewegen kann. Das praktisch ist und keine Rätsel aufgibt. Der Holden Statesman bietet hierfür eine hervorragende Basis. Er bietet fast alles, was man von einer Limousine erwarten kann.
Mit 5,20 Meter ist der Vero so lang wie eine Mercedes S-Klasse in der Langversion. Vorne wie hinten gibt es Platz ohne Ende, auch für Großgewachsene. Ein alter Bekannter ist der 6.0 Liter V8, der in einer verschärften Version auch in der Corvette wieder zu finden ist. Im Vero leistet der Aluminium V8 378 PS bei 5.700 U/min. Das maximale Drehmoment von 535 Nm wird bei 4.400 U/min erreicht. Für ausreichen Kraft ist gesorgt. Komfort gibt es natürlich auch jede Menge. Vollaustattung als Pflichtprogramm.
Behutsame aber wirksame Änderungen
Was der Basis noch fehlt, erledigt Bitter. Optische Veränderungen erfährt hauptsächlich die Front, die dem Vero eine eigenständige Note gibt. Ursprünglich war zwar ein anderes Gesicht geplant, jedoch wurde dies nicht genehmigt. Das Problem waren die Crashtest-Bestimmungen. Hätte Erich Bitter das Auto zu sehr verändert, müsste man neue Crashtests machen. Und das hätte einige Karossen geschrottet. Und somit auch das Projekt. Also blieben die Änderungen an der Karosserie relativ moderat. Was nicht schlimm ist, denn selbst ein serienmäßiger Holden Statesman ist in Deutschland ein Exot. Die Fahrzeuge werden hierzulande nicht angeboten.
Nachholbedarf hatte jedoch der Innenraum. Deshalb wurde Leder reingepackt wo es geht. Und nur das Edelste. Qualität hat seinen Preis, was auch einen großen Teil des Betrages ausmacht. In Australien, im Land der Holdens darf nicht so schnell gefahren werden, weshalb das Fahrwerk nicht für hohe Geschwindigkeiten ausgelegt ist. Zusammen mit H&R hat Erich Bitter ein entsprechendes Fahrwerk entwickelt, das den hiesigen Fahrgewohnheiten angepasst wurde. Klar dass auch große Aluräder nicht fehlen dürfen. 245/35 ZR 20" vorne und 285/30 ZR 20" hinten, geben ein sportliches Bild ab.
Enormes Platzangebot
Wie fährt sich nun der Vero. Beim Einsteigen fällt, wie bereits erwähnt, das enorme Platzangebot auf. Von der Bedienung her, alles am rechten Platz. Es kann losgehen. Der 6.0 Liter V8 säuselt leise vor sich hin. Bleibt stehts zurückhaltent. Nur wenn er gefordert wird, erhebt er seine Stimme. Wie es sich für ein anständiges Luxus-Auto gehört. Auffallend ist die Wendigkeit der großen Limousine. Einparken oder enge Kurven sind wie bei einem Kleinwagen. Erstaunlich. Überhaupt fühlt sich alles recht knackig an. Bedienkräfte, Fahrwerk und Lenkung (könnte etwas direkter sein) vermitteln ein sportliches Flair, ohne den Komfort zu beeinträchtigen. Ein guter Kompromiss und Ergebniss langwieriger Tests.
Auf der Autobahn fühlt sich der Vero naturgemäß noch wohler. Ob gemütliches dahinrollen oder eiliges davonflitzen. Einmal das Gaspedal runter gedrückt, geht es anständig vorwärts. Der Spurt auf 100 km/h wird in 5,5 Sekunden erledigt. Bei 250 km/h wird wie bei den meisten Limousinen abgeregelt. Theoretisch wären 273 km/h drin. Die Serienmäßigen Bremsen sind den Anforderungen gewachsen. Auch der Verbrauch kann sich für diese Fahrzeugklasse sehen lassen. 14,4 Liter pro 100 km. In unserem Testwagen war noch die alte 4-Gang Automatik verbaut. Alle aktuellen Fahrzeuge besitzen das neue 6-Gang Automagikgetriebe. Wodurch Verbrauch und Beschleunigung sicher noch verbessert werden.
In Sachen Exklusivität und Individualität konkurrenzlos
Die Frage, ob nun der Bitter Vero mit den bekannten Konkurrenten mithalten kann, stellt sich nicht. Klar, ein Audi A8 ist aus technischer Sicht bestimmt das modernere Auto. Aber kann der Vero deshalb weniger? Es geht nicht darum wer besser ist. Viel wichtiger ist doch das Gefühl, das dabei entsteht. Was man Ausdrücken möchte. Das Individuelle. Und in dieser Hinsicht ist der Bitter Vero ohne Konkurrenz. Von der Exklusivität ganz zu schweigen.
Wie geht es weiter? Mit dem Vero ist man erst einmal ganz gut beschäftigt. Doch im Hinterkopf gibt es schon wieder ein paar Ideen. Ein neues Auto ist es nicht. Für Tuning und Krawall ist Erich Bitter auch nicht zu haben. Aber gegen Leistung hat er nichts. Eine Kompressor-Version mit 611 PS und 800 Nm Drehmoment. Hört sich verlockend an. Das Projekt ist jedenfalls schon über dem "ich denk mal drüber nach-Stadium" hinaus. Für Überraschungen war Erich Bitter ja schon immer gut.
Text: Dirk Schmied
Bilder: Bitter, Dirk Schmied
Technische Spezifikation
Motor 90° OHV-8-Zylinder Motor – Crossflow Zylinder Köpfe – 2-fache Klopfsensoren On Board Diagnose – Verteilerlose Hochleistungszündlanlage Empfohlene Benzinqualität: 91 ROZ – 95 ROZ oder höher können eine bessere Motorleistung oder Wirtschaftlichkeit bewirken Hubraum: 5.967 ccm Verdichtung: 10.4 : 1 Leistung: 278 KW, 378 PS Drehmoment: 535 Nm bei 4.400 Upm Auspuff: 4-flutige Stahlauspuffanlage mit Edelstahlendrohren Getriebe: 6-Gang-Automatik Getriebe mit "Activ Select" Tankkapazität: 73 l Bremssystem: Belüftete Bremsscheiben vorne und hinten mit Aluminium-Bremszangen Fahrwerk: Bitter Sport-Fahrwerk Lenkung: Variable Zahnstangenlenkung hinten 1.618 mm Wendekreis: 11.6 m Radstand: 3.009 mm Länge: 5.200 mm Breite ohne Spiegel: 1.899 mm Höhe: 1.460 mm Kofferraumvolumen: 535 l Leergewicht: 1.890 kg Zuglast: max. 2.100 kg Zuladung: max. 408 kg 0-100 km/h 5,5 sec. Kraftstoffverbrauch (l/100 km): 14,4 l (Durchschnitt) CO2-Emission: gemäß Euro 4 Preise: Fahrzeugpreis: inkl. 19% Umsatzsteuer 103.530 EUR Sonderwunsch: Aluminium-Felgen verchromt, 3-teilig: 8,5“ + 9“ mit 245/35/20“ vorne u. hinten inkl. 19% Umsatzsteuer 4.522 EUR
Alcantarahimmel inkl. 19% Umsatzsteuer 1.785 EUR
Schiebedach inkl. 19% Umsatzsteuer 1.785 EUR
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