Fahrbericht. Ausfahrt mit einer der besten Replikas des ehemaligen Le Mans Siegers.

Würden sie einen Ford GT40, selbst wenn es sich um eine Replika handelt, mit Südafrika in Verbindung bringen? Sehen sie. Ich auch nicht. Wieder was gerlernt. Eine der besten Nachbauten des legendären LeMans-Siegers aus den späten 60ern kommt aus Kappstadt.
Cape Advanced Vehicles (CAV) beschäftigt etwa 22 Mitarbeiter und produziert in den sehr sauberen Werkshallen zwischen 30 und 40 Fahrzeuge jährlich. Für einen dieser Flachmänner benötigt man ungefähr 600 Arbeitsstunden, was den hohen Qualitätsstandard unterstreicht. Ein generelles Problem der GT40 ist der Rost. Weshalb CAV das Monocoque aus rostfreien Edelstahl fertigt. Saubere Verarbeitung und ausgesuchte Materialien sind selbstverständlich. Bei den Teppichen zum Beispiel, benutzt man die gleichen Stoffe wie Jaguar.
Brutale Kupplung
Viel interessanter ist, wie sich so ein GT40 fährt. Das ist immerhin eine Legende. Ein bisschen Ehrfurcht kommt da schon auf. Gleich beim Einsteigen zeigt sich, dass dieses Gefährt eigentlich ein Rennwagen ist. Etwas Gymnastik schadet nichts. Einmal in den ausgeformten Sitzen angekommen, fühlt man sich gut eingebettet. Nur die extrem tiefe Sitzposition ist gewöhnungsbedürftig. Ein Lamborghini ist nichts dagegen. Kupplung treten und anlassen. Schon macht sich das zweite Extrem bemerkbar. Die Kupplung des aufpreispflichtigen 5-Gang-Getriebes von ZF ist dermaßen schwer zu betätigen, dass man schon richtig Schmackes in den Beinen haben muss. Spaß macht das nicht. Angenehmer ist das Basis-6-Gang-Getriebe von Audi.
Der 5,7 Liter V8-Motor und 450 PS erwachen. Wow dieser Sound. Da dies ein recht neuer Wagen war, mussten wir mit den Drehzahlen etwas bescheidener sein. Ist nicht schlimm, denn schon unten raus, geht die Flunder richtig ordentlich. Von Null auf Hundert soll der Wagen je nach Getriebe, Übersetzung und Motorvariante in 4,5 - 5,0 Sekunden beschleunigen. Topspeed ist bei etwa 260 km/h erreicht. Ein kleinerer 5,0 Liter V8 mit 350 PS ist ebenfalls im Angebot. Trotz des geringen Gewichts von 1.100 - 1.200 Kilo liegen die Fahrleistungen etwas unterhalb eines Porsche 911 GT3.
Tiefer Schwerpunkt und einstellbares Fahrwerk
Dank einstellbarem Fahrwerk findet jeder sein optimales Setup. Der tiefe Schwerpunkt und die breiten 15 Zöller in den Größen 215/60 vorne und 295/50 hinten sorgen für zackige Kurvengeschwindigkeiten. Auf Wunsch gibts auch 17 Zöller in 225/45 v. und 305/40 h. Für gute Verzögerung beißt die 4-Kolben Bremsanlage mit 300mm Scheiben vorne und hinten kräftig zu. Trotz Klimaanlage kommen wir langsam ins Schwitzen. Der von der Firma Roush (Indy-Szene) präparierte Motor sitzt direkt im Rücken. Zu viel Anstrengung finden die Triebwerke nach alter Bauweise aber nicht so witzig. Man muss auch nicht ständig heizen um mit diesem Auto Spaß zu haben. Einfach Flair und Sound genießen. Übrigens fährt sich der CAV GT40 recht komfortabel. Unebenheiten werden klaglos ausgebügelt. Dank guter Verarbeitung gibt es auch keine Knarzgeräusche zu hören.
Preislich liegt der CAV GT40 je nach Ausstattung zwischen 120.000 und 130.000 Euro. wählbar in 9 Farben und mit einigen Extras zu individualisieren. In Deutschland gibt es derzeit 4 Händler. Einer davon ist Rene Voss. Inhaber von Karosserie-Design Voss in Dietzenbach bei Frankfurt/Main. Seine Firma beschäftigt sich hautsächlich mit dem Aufbau und der Restaurierung von Oldtimern. Bereits neben seinem Maschinenbau-Studium fing es vor 10 Jahren in einer kleinen Scheune an. Vornehmlich Jaguar-Modelle. Im 2006 neu gebauten Gebäude finden sich Fahrzeuge verschiedenster Marken. Aston Martin, Mercedes, Lotus, Maserati um nur einige zu nennen.
So schnell gehts
Genau wie seine fröhlich gelassene Art, ist er zum CAV-Stützpunkt geworden. Ein Freund rief an und sagte "So, jetzt bist du CAV-Händler". Er freute sich, wusste aber erstmal gar nicht was das ist. So kann es gehen. Ebenso ist Rene Voss Händler für eine weitere Ford GT40 Marke. CCV (Cape Cobra Vehicles) ist etwas kleiner als CAV und geht mehr in Richtung Rennsport. Jetzt raten Sie mal wo die herkommen. Johannisburg in Südafrika. Da muss wohl ein Nest sein.
Text: Dirk Schmied
Bilder: CAV, Dirk Schmied
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