
Ist der CR-Z ein Sportwagen?
Wie definiert sich eigentlich ein Sportwagen? Die einen argumentieren so wenig Gewicht wie möglich sei wichtig für die Fahrdynamik, dazu ein niedriger Schwerpunkt, den Motor in der Mitte, den Antrieb unbedingt hinten. Andere wiederum beurteilen einen sportlichen PKW vorwiegend über die Leistung, seine Beschleunigung und mögliche Höchstgeschwindigkeit. Wiederum andere halten die Rundenzeit auf der Nordschleife für das Maß der Dinge. Anhand der genannten Kriterien fällt der jüngst vorgestellte Honda CR-Z im Prinzip bei allen Fangruppen durch. Antrieb und Motor sitzen vorne, es treffen 124 PS auf 1240 kg Gewicht inkl., Fahrer. Von auf 100 braucht es 9,9s, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 200 km/h. „Was bitte soll das?“ fragen sich nicht nur die Type-R Fanclubs dieser Welt.
CR-Z als erster Sporthybrid
Doch der Reihe nach. Der Honda CR-Z hat natürlich nicht den Anspruch im Kampf um die Sportwagenkrone auf der Nordschleife oder in Nardo mitzumischen. Als erstes Sportcoupe mit Hybridantrieb will er vor allem ökologisch korrekten Fahrspaß vermitteln. Die Basis dafür liefert der bekannte Civic Hybrid. Der CR-Z verfügt über den gleichen 4-Zylinder Verbrennungsmotor mit VTEC System, jedoch mit 1,5 statt 1,3l Hubraum. Direkt an der Kurbelwelle sitzt der 10 kw starke Elektroantrieb, der dem Verbrennungsmotor vor allem im unteren Drehzahlbereich zu Hilfe eilt. Insgesamt stemmt der Motorenverbund 124 PS bei 6100 U/min und 174 Nm bei nur 1500 U/min. Die Nickel-Metall-Hydrid Batterien sitzen der besseren Gewichtsverteilung zuliebe auf der Hinterachse unter dem Kofferraum. Das Chassis zeigt sich durch den gezielten Einsatz von verstärkten Stahl und Aluminium (Achsschenkel vorne) steifer und leichter als die Basis. Die keilförmige Karosserieform soll den aerodynamischen Auftrieb minimieren. Auf technische Spieleren wie elektronische Quersperre, Dämpfer oder Doppelkupplung haben die Ingenieure verzichtet.
Futuristischer Innenraum
Genug der Theorie, was kann der CR-Z wirklich? Das Design wirkt für das hiesige Auge zunächst einmal fremd. Vor allem das mit Abrisskante versehene Heck passt so überhaupt nicht in das europäische Geschmacksmuster. Das mit LED Leuchten versehene Gesicht blickt freundlich, keine Spur von der sprichwörtlichen Aggressivität eines Audi A1 oder VW Scirocco. Auch bei der Reifendimension und der Gestaltung der Leichtmetallfelgen hält sich Honda dezent zurück.
Einsteigen. Willkommen im Space Shuttle. Wir drehen den Schlüssel auf Zündung, alles blinkt und flimmert. Fehlt nur noch ein Communicator um direkt mit Captain Picard sprechen zu können. Bei all den Lampen und Farben fällt es schwer die Orientierung zu finden. Wenigstens Sitze und Lenkrad lassen sich normal justieren und ermöglichen tatsächlich eine ergonomisch perfekte Position. Mitfahrer allerdings beschränken sich auf eine Person, auf der Rücksitzbank finden höchstens Haustiere Platz. Sei’s drum, der Pilot fühlt sich in den gut konturierten Sitzen wohl, der Schalthebel liegt optimal in der Hand, das Volant ebenso. Startknopf gedrückt, den Fahrmodus umgehend auf Sport gestellt, es geht los!
Lautstarke Soundkulisse
Zunächst muss das futuristische Gefährt jedoch aus der Parklücke dirigiert werden. Eigentlich ein Kinderspiel, aber die Rundumsicht beschränkt sich auf ein Minimum. Da die Frontscheibe ungewöhnlich weit vom Fahrer weg sitzt und das Raumschiff hinten nur ein winziges Fenster hat, empfiehlt es sich zunächst etwas Vorsicht walten zu lassen beim Rangieren. Mit etwas Übung kommt man aber auch ohne Parkhilfe gut mit dem kompakten Gefährt zu Recht.
Aber die Ingenieure haben den CR-Z ja nicht konstruiert um Parkhäuser zu erkunden. Er will die Landstraße erobern. Daran lässt der kleine Japaner schon nach wenigen Metern keinen Zweifel. Wer im ersten Gang das Gaspedal voll durchtritt landet umgehend unter heftigem Gebrüll im Drehzahlbegrenzer. Im zweiten Gang geht es heiter weiter, der 4-Zylinder scheint sich die Seele aus dem Kurbelgehäuse zu röhren. Der Klang belebt dabei allerdings nur den Innenraum und bleibt frei von unangenehmen Dröhnfrequenzen. Was allerdings an der überraschenden lebhaften Lautstärke nichts ändert. Zusammen mit dem Elektromotor wird jede Gaspedalbewegung umgehend in Vortrieb umgesetzt. Das Auto hechelt geradezu danach richtig rangenommen zu werden.
Verblüffend agiles Handling
Die Elektroeinheit unterstützt den Verbrenner spürbar und ohne Verzögerung ab der Leerlaufdrehzahl, im mittleren und oberen Drehzahlbereich aber ist der 1,5 Liter praktisch auf sich gestellt. Wer dann hurtig über die Landstraße fetzen will muss häufig schalten, was aber in Anbetracht des extrem knackigen Getriebes mächtig Freude bereitet. Einen wirklichen Geschwindigkeitsrausch wird der Pilot dabei freilich nicht erfahren. Der engagierte Vortrieb lässt spätestens jenseits der 100 spürbar nach. Es lohnt sich also nicht mit dem CR-Z auf der Autobahn dick motorisierte Diesel zu jagen.
Aber wer will das schon? Der kleine Japaner jedenfalls nicht. Sein Revier ist die Kurve. Angeblich haben sich die Entwickler in Sachen Chassisabstimmung an der Lotus Elise orientiert und tatsächlich: Der elektrisierende Sportler lässt sich nicht nur wegen seiner extrem gewölbten Frontscheibe unverschämt präzise um jede Biegung zirkeln. Die elektrische Lenkung vermittelt ein exakt definiertes Maß an Rückstellkräften, der Pilot fühlt sich stets akkurat über das vorhandene Gripniveau informiert. Das Einlenken erfolgt spontan und allzeit kontrolliert, am Grenzbereich schiebt der knapp 1200 kg leichte Samurai sanft über alle 4 Räder. Die Seitenneigung ist spürbar aber niemals wirklich störend. Auf Wunsch lässt sich der CR-Z auch mittels Gaspedallupfer zu einem kleinen Heckschwenk einladen. Das abschaltbare ESP regelt denkbar spät und stört die sportlichen Avancen des Fahrers in keinster Art und Weise.
3 Fahrmodi: Eco,Normal und Sport
Nur selten kommt bei der Kurvenhatz dabei der Wunsch nach mehr Leistung, Grip oder Traktion auf. Vielmehr ertappt man sich dabei schon lange nicht mehr so engagiert gefahren zu sein. Wer den CR-Z über Land am Limit fährt begeht nicht automatisch eine Straftat wie bei den sonst üblichen Bodenraketen. Obwohl man den CR-Z ausringt wie sein letztes Hemd nach dem Börsencrash ist man nie gefährlich schnell und erlebt doch eine Menge Freude am Fahren. Dabei ist es vor allem die erstaunlich gelungene Kombination aus Balance und Feedback die dem Piloten ein Lächeln übers Gesicht zaubert. Der CR-Z ist nicht zu hart und nicht zu weich. Er poltert und springt nicht, Antriebseinflüsse sind ihm fast fremd. Allein die Bremse erweckt bei Kennern in Ermangelung eines exakten Druckpunktes etwas Kritik. Doch diesen Makel kann man getrost als Schönheitsfehler abhaken. Er hat also tatsächlich sein Herz am rechten Fleck, der legitime Nachfolger des Spaßbringers CRX. Doch wie grün ist der erste Hybrid mit Handschaltung wirklich? Wer will, kann mit dem ECO Modus im elektrischen Mäusekino die Pflanzen zum wachsen bringen. Doch nur wer bewusst sparsam fährt wird mit einem grünen Drehzahlmesser belohnt. Verblüffend dabei wie der CR-Z seinen Charakter verändert. Aus dem Landstraßenrenner wird plötzlich ein Ökomobil der seinen Pilot mittels zäher Gasannahme zum Spritsparen erziehen will. Dem Fahrspaß wegen lohnt es sich möglichst bald wieder auf Sport zu wechseln, auch den Modus „Normal“ kann man sich in Anbetracht der dann etwas zu leichtgängigen Lenkung schenken.
Sportlicher als die Konkurrenz
5,0l Durchschnittsverbrauch verspricht Honda für sein zweimotoriges Sportcoupe. Damit bewegt sich der Hybrid auf Augenhöhe mit dem VW Scirocco BlueMotion der allerdings im Vergleich emotional so erfrischend wirkt wie eine Debatte im deutschen Bundestag. Auch der Alfa Mito wirbt zwar mit Leistung und Charme, zieht aber fahrdynamisch eindeutig den kürzeren. Selbst der Mini hat es schwer gegen den asiatischen Futuristen, bei dem vor allem die fein abgestimmte Lenkung so viel Freude macht. Ist der CR-Z also ein Sportwagen? Nach klassischem Muster ist er das sicher nicht. Bei den eingeschworenen Freaks, den gusseisernen Fans der scharfen Nocke wird er immer einen schweren Stand haben. Als charismatischer Spaßbringer für den Alltag aber ist der erste Sport-Hybrid mehr als nur ein Geheimtipp, zumal sich die Preisgestaltung angenehm in Grenzen hält. Schon bei 21.990,- geht es los, für nur 1000,- mehr präsentiert sich der CR-Z Sport mit Leichtmetallfelgen, und als GT gibt es für 24.990,- Euro schon Xenon und Bluetooth. Wenig Geld für einen Exoten, von dem es 2010 in Deutschland nur 2000 Stück gibt. Wir denken: Selten zuvor war es so reizvoll außerhalb des modisch orientierten Mainstreams Sport zu treiben.
Text: Martin Englmeier
Bilder: Martin Englmeier, Honda
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