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Techart GT Street RS

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Fahrbericht. 911 Herkules.

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Es gibt schnelle und sehr schnelle Autos. Ein 911 GT2 gehört sicher zu letzterer Gattung.  530 aufgeladene Pferde bei nur knapp 1500kg Lebendgewicht erfüllen selbst die höchsten Ansprüche. Was passiert aber wenn man so ein Renntier nochmals ins Trainingslager schickt? Das Fahrwerk verbessert, an der Aerodynamik feilt und die Leistung auf unfassbare 700PS erhöht. Wir haben es erfahren. Dürfen wir vorstellen: Techart GT Street RS.

Mehr Leistung als jeder Ferrari

An manchen Tagen bringt einen nicht nur die Umgebungstemperatur ins Schwitzen. Der Gedanke einen 360.000 Euro schweren Supersportwagen pilotieren zu können sorgt selbst bei einem nicht mehr ganz unerfahrenen Autojournalisten für Hitzewallungen. Ein Porsche mit mehr Leistung als jeder serienmäßige Ferrari, Lamborghini oder Mclaren. Stolz steht er da mit seinem mächtigen Flügel und der markanten Front. Auch Laien wird hier schlagartig klar: Dies ist kein Hausfrauenporsche. Dieser 911 ist der Herkules unter den Supersportlern.

Perfekte Ergonomie

Der Einstieg birgt zunächst keinerlei Überraschungen. Die Sitzposition ist schwäbisch perfekt, das etwas dick aufgepolsterte Lenkrad noch wohl proportioniert und die aus der Serie bekannten Schalen garantieren ausreichend Seitenhalt auch in ambitioniert gefahrenen Kehren. Zusätzlich Sicherheit verleiht neben dem soliden Überrollkäfig auch die Gewissheit eines serienmäßigen ESPs. Man kann ja nie wissen ob die 860NM vielleicht doch mal unvermittelt zum Überholen ansetzen. Wir holen tief Luft und drehen in der perfekt und sehr hochwertig verarbeiteten Pilotenkanzel den natürlich links platzierten Schlüssel.

Verblüffende Alltagstauglichkeit

Ein unspektakulärer Akt. Ohne Murren erwachen die 700PS zum Leben und verfallen augenblicklich in einen ruhigen Leerlauf. Die Kupplung  verlangt nach einem starken Tritt, das war‘s aber auch schon. Ansonsten könnte vermutlich auch die Zahnarzttochter von nebenan den GT Street RS durch die Altstadt dirigieren. Der Motor nimmt das Gas an wie in jedem herkömmlichen Golf, die Federung schluckt tapfer Bodenwellen und die Übersichtlichkeit ist bis auf das leicht verspoilerte Heckfenster famos. Selbst Bordsteinkanten verlieren dank Liftsystem ihren Schrecken. Mit dem Techart durch den Alltag? Nichts leichter als das, sofern man sich nur an eine kleine Regel hält:

Relativ breites Drehzahlband

Über 3000 U/min stets höchstens Viertelgas geben. Ansonsten landet man schneller im Kofferraum des Vordermanns als einem lieb ist. Der mit maximal 1,65bar aufgeladene Boxer demonstriert bereits tief im Drehzahlkeller sein gewaltiges Lungenvolumen. Schon knapp über der Marke von 2500 Touren lässt einen der getunte Porsche auf seiner Drehmomentwelle surfen. Der Fahrer kommt sich tatsächlich vor wie ein Wellenreiter der die Wucht seiner Brandung mittels Gaspedal kontrolliert. Schon ein leichtes Antippen der Macht reicht dabei aus um Überholvorgänge in wenigen Augenblicken abzuschließen. Die Landstraße ist für den GT Street RS ein gänzlich unterdimensioniertes Umfeld. Nur wirklich lange, gerade Stücke erlauben eine kurze Demonstration seiner Bärenkräfte.

Brachiale Beschleunigung auf Abruf

Unter Volllast holt Herkules dann nach einer kleinen Gedenksekunde die größte und mächtigste aller Keulen raus. Wo er zuschlägt wächst kein Gras mehr und es befindet sich auch niemand mehr im Rückspiegel. Mit der Wucht einer apokalyptischen Tsunamiwelle trifft es den Piloten im Rücken, der Porsche wird nach vorne geschleudert wie ein Baseball beim Abschlag. Mindestens bis zum Ende des 4.ten Gangs scheint die Kraft dabei kaum nachzulassen. Begleitet vom unverwechselbaren, düsenjetartigen Rauschen eines turbobefeuerten Sechszylinderboxers setzt der Techart bis weit über 200 die gängigen Gesetze der Physik außer Kraft und empfiehlt sich für den Duden als Synonym für  Begriffe wie Urgewalt oder Bodenrakete. Die Art und Weise wie der Turbomotor seine Kraft rüberbringt lässt sich leicht zusammenfassen: Oberhalb von 4000 bis zum roten Bereich gibt es Power im Überfluss, serviert mit der Charakteristik eines Vorschlaghammers.

Kontrollierbare Kraft

Doch geradeaus können freilich viele. Für den Circuit braucht es auch ein gewisses Talent um die vielen Pferde auf die Straße zu bringen. Auf einem freien Flugplatz erkunden wir den Grenzbereich und staunen über die Athletik des Hecktrieblers. Lange neutral schiebt der mit Sportreifen gerüstete Turbosportler völlig harmlos und stets kontrolliert über die Vorderräder. Mit aktiviertem ESP bleibt der Wagen allzeit narrensicher, die feinnervige Lenkung erlaubt ein sanftes Annähern an die Ideallinie. Selbst ohne jegliche elektronische Hilfe kleben die Pilot Sport Cup auf dem Asphalt wie Silikon und um die Traktion abreißen zu lassen braucht es vorsätzliche Gewalt mit dem Gasfuß. Freilich erfordert die explosive Leistungsentfaltung ein entsprechendes Maß an Disziplin am Kurvenausgang und ein geschultes Auge für Bodenwellen. Wer allerdings mit diesem verkappten Rennauto in der Biegung etwas Zeit liegen lässt, der gewinnt sie auf der kommenden Gerade locker wieder zurück. Etwa 6s von 100 auf 200 sprechen eine klare Sprache. Nicht umsonst markiert der GT Street RS in diversen Zeitschriften die Bestmarke für Straßenautos auf Rennstrecken wie dem Sachsenring. Dieses Auto ist eine Waffe und in den richtigen Händen verspeist es fast jeden Gegner zum Frühstück, Mittag- und Abendessen.

Professionelle Detailarbeit

Trotz der allzeit überlegenen Performance verliert der Supersportler nie die Contenance, spult auch bei 35 Grad souverän das Testprozedere ab. Dies spricht für die solide Basis aber auch für die professionelle Nachbearbeitung des Tuners. Selbst im Detail überzeugt das in Handarbeit veredelte Stück. So verleiht die nachträglich montierte, per Tastendruck zuschaltbare Sportauspuffanlage dem aufgeladenem 911 ein spürbar intensiveres Klangbild. Ob der fast 70.000 Euro teure Anbaukit für die Karosserie jedermanns Geschmack trifft, darf bezweifelt werden, die Ausführung überzeugt aber in jedem Fall. Wer es dezenter will kann auch nur das Motortuning für ca. 47.000 Euro ordern. Mit einer geänderten Übersetzung geht es dann bis auf 350 km/h. 20 mehr als mit dem jüngst vorgestellten GT2 RS aus Zuffenhausen.

Fazit: Der finale Trumpf im Autoquartett

Der GT Street RS ist also sein Geld wert, zumal derjenige der einfach einen der schnellsten Sportwagen überhaupt haben möchte, sein Vermögen kaum über Bausparer und Festgeldanlagen gemacht hat. Der superstarke 911 ist ein Traumwagen, ein Überflieger, der finale Stich in jedem Autoquartett. Am Ende des Tages kommt uns der eigene Dienstwagen plötzlich völlig untermotorisiert vor. Wo ist er geblieben, der unnachgiebige Turboschub, der den Asphalt scheinbar aus dem Boden zu reißen schien? Wir behalten ihn in freudiger Erinnerung und freuen uns auf den nächsten Besuch im beschaulichen Leonberg.

Text: Martin Englmeier

Bilder: Julian Köppe, www.juliankoeppe.de

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