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Gumpert Apollo Speed

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Es sind noch zwei Wochen, bis zu meiner Verabredung mit dem neuesten Gefährt der Gumpert Sportwagenmanufaktur - dem Apollo Speed. Ein 700 PS starker und mit 1200 Kilo Trockengewicht sehr leichter Supersportwagen, der bei Bedarf über 360 km/h schnell sein kann. Tausend Gedanken wuseln durch meinen Kopf, was mich bei diesem außergewöhnlichen Date wohl erwartet. Schließlich ist der Apollo eigentlich mehr Rennwagen als Sportwagen.

Meine Begeisterung für das kommende Spektakel kann ich leider nur mit wenigen teilen. Kaum einer kennt die Flunder aus Altenburg/Thüringen. Sogar mancher Autofreak oder Leute aus der Branche zucken mit der Schulter. Die wenigen Kenner bekommen jedoch große Augen und schnalzen mit der Zunge. Gutgemeinte Ratschläge und unqualifizierte Sprüche mindern meine Nervosität nicht im Geringsten.

Der Apollo spielt in einer anderen Liga

Ich rede mir immer ein, der Apollo ist auch nur ein Auto. Außerdem bin ich schon einige andere Supersportler gefahren. Gallardo, F430, GT2, Z06, R8 usw. Doch der Apollo ist noch einmal eine andere Liga. Drei Sekunden auf Hundert und 8,9 Sekunden auf 200 km/h. Dazu Rennwagentechnik vom Feinsten. Die Tatsache das der Speed rund eine halbe Million Euro kostet, macht das ganze nicht leichter.

Der Termin rückt näher. Doch bevor es los geht, gehe ich noch einmal die Besonderheiten des Apollo Speed durch. Im Gegensatz zur normalen Version bzw. der Sport und der Race Variante, ist der Speed, wie sein Name schon sagt, ganz auf Geschwindigkeit ausgelegt. Er soll im Vergleich zu seinen Brüdern speziell bei höheren Geschwindigkeiten noch einmal merklich an Beschleunigung und Topspeed zulegen.

Geänderte Aerodynamik

Hierfür wurden einige aerodynamische Änderungen nötig. Am Auffälligsten ist, neben der zweifarben Lackierung, die neue Linienführung um die Radläufe. Die geänderte Lufthutze auf dem Dach und neu geformte Kühlluftkanäle zum Motorraum verbessern genauso wie der neue einstellbare Heckspoiler die Aerodynamik. Nicht unbedingt sichtbar ist der vollverkleidete Unterboden in Carbon-Aluminium-Sandwich Bauweise und die Absenkung der Kohlefaserkarosserie um 9 Millimeter. Allein die geänderte Front bringt eine Verbesserung des cw-Werts um 30 Prozent.

Soweit zu den wichtigsten Maßnahmen. Neue Rückleuchten, Sportsitze wahlweise in zweifarbigem Leder oder Alcantara sowie feststehende Felgenabdeckungen vorne und mitdrehende hinten, sind ebenfalls Speed Merkmale. Entscheidend ist aber das Fahrverhalten. Durch die Änderungen ist der Apollo Speed zwar schneller geworden, hat aber auch weniger Abtrieb als seine Verwandten. Für gelegentliche Rennstreckenbesuche, bieten sich dann doch eher die Sport oder Race Varianten an. Aber auf der Autobahn ist der Speed wieder im Vorteil.

Mein Puls steigt

Es ist soweit. Heute treffe ich den Gumpert Apollo Speed. Das Treffen findet auf der Teststrecke in Boxberg statt. Ideal um die Fähigkeiten dieses Geschosses einigermaßen ausloten zu können. Der erste Blick lässt meinen Puls steigen. Dennoch bin ich etwas verwundert. Bei der Präsentation beim diesjährigen Genfer Automobilsalon wirkte das Fahrzeug größer. In freier Wildbahn macht es eher einen fast schon zierlichen Eindruck.

Kein Gramm zuviel. Alles reine Muskeln. Ein Spitzensportler eben. Ich schwinge die Flügeltür nach oben und frage mich, wie ich da bloß reinkommen soll. Ein schmaler Einstieg mit einem überbreiten Seitenschweller und dann noch das Lenkrad im Weg. O.k. Das Lenkrad kann man mit einem Handgriff abnehmen. Wie in der Formel 1. Das Einfädeln in das enge Cockpit braucht ein wenig Übung. Etwas Gymnastik schadet nicht.

Luxuriöses Rennwagen Cockpit

Einmal in den packenden und dennoch recht bequemen Sitzen eingebettet, ist es mit der Enge doch nicht so schlimm. Irgendwie gemütlich. Aber das wird sich gleich ändern. Die Sitze sind nicht verstellbar. Für unterschiedliche Größen, lassen sich Pedale und Lenksäule entsprechend justieren. Geht schnell und einfach. Etwas fummeliger ist das Anschnallen mit den Vierpunkt-Gurten. Jetzt das Lenkrad wieder aufstecken und fertig. Das Cockpit wirkt aufgeräumt und hochwertig. Funktionell wie ein Rennwagen und dennoch luxuriös. Leder, Alcantara, Carbon, Klimaanlage, Navi, Rückfahrkamera, DVD-Player, alles was das Herz begehrt.

Der Apollo und ich sind bereit. Noch den Leerlauf einlegen und Motor starten. Der 196 Kilo leichte 4,2 Liter V8 Biturbo erwacht. Ja, man hört, es ist ein V8. Nicht etwa wie bei einem großen Ami-V8. Etwas gedämpfter, aber laut. Jetzt den ersten Gang in das vollsynchronisierte, sequenzielle Sechsgang-Getriebe einlegen. Wie bei einer normalen manuellen Schaltung wird die Kupplung bei jedem Gangwechsel getreten. Nur dass die Gänge in einer Schaltebene liegen. Also entweder nach vorne drücken (runter schalten) oder nach hinten ziehen (hoch schalten).

Schalten, Kuppeln und Lenken wie im Rennwagen

Anfahren klappt auf Anhieb. Die erste Hürde ist geschafft. Erst mal langsam. Zweiter Gang einlegen. Doch es passiert nichts. Der Gang ist nicht drin. Beim Apollo ist es nicht wie beispielsweise bei den schnellen Italienern. Einfach mal klack, klack an der Schaltwippe ziehen. Nein, der Apollo ist ein richtiges Männerauto. Der braucht Druck und eine starke Hand. Alles ist stramm. Kupplung, Schaltung, Lenkung. Wie man sich einen Rennwagen vorstellt.

Nach ein paar immer noch zu zarkhaften Versuchen und einigen weiteren Zugkraftunterbrechungen klappt es dann doch noch mit einer flüssigen Fahrweise. Jetzt gebe ich mal richtig Gas. Sofort schießt der Apollo Speed nach vorne. Doch erst wenn die beiden Turbolader ihren vollen Ladedruck aufgebaut haben, prescht der Apollo dermaßen nach vorne, dass es einem schwindelig wird. Mit rennmäßigem Getöse zoomt sich der Speed quasi von Kurve zu Kurve. Dabei scheint es keine Rolle zu spielen, in welchem Gang oder Geschwindigkeit das Ganze vollzogen wird. Selbst bei über 200 km/h beschleunigt der Flachmann noch mit beeindruckender Wucht und scheint garnicht mehr aufhören zu wollen.

Extrem präzises Fahrverhalten

Wer in den unteren Gängen zuviel Gas gibt, erntet ein knattern. Das selbstsperrende Torsendifferenzial hält 875 Nm Drehmoment im Zaum. Selbst die fetten 345/35 ZR 19 auf der Hinterachse vermögen dieser Gewalt alleine nicht mehr Herr zu werden. Zusammen mit den 255/35 ZR 19 an der Vorderachse liegt der Speed in Kurven extrem gut auf der Straße. Doppelquerlenker-Pushrod-Achsen vorn und hinten und eine Gewichtsverteilung von 42 zu 58 Prozent (v./h.), sorgen für ein extrem präzises und vorhersehbares Fahrverhalten.

Die Reaktionen sind frei von Tücke. Wenn man sich mal an die einwirkenden Kräfte gewöhnt hat, lässt sich der Apollo fast schon spielerisch um die Ecken zirkeln. Und das auf einem Niveau, das weit über dem herkömmlicher Sportwagen liegt. Das zeigt auch die Fahrt auf dem Oval. Bei Geschwindigkeiten in den Steilkurven, die manche Autos noch nicht einmal erreichen, liegt er so ruhig wie Muttis Polo in der 30er Zone.

Absolut Straßentauglich, aber...

Wenn man es dennoch übertreibt, muss man mit einem Dreher rechnen. Ist die Gutmütigkeit ausgereizt, bestraft der Apollo seinen Piloten mit einem Heckschwenk. Doch selbst der, ist relativ überschaubar. Solange man sich auf der Rennstrecke befindet. Im Straßenverkehr wäre das natürlich nicht so passend. Denn dort, passt der Apollo auch nicht wirklich hin. Klar, das Auto ist absolut straßentauglich. Mit allem, was dazu gehört. Doch das eigentliche Revier ist die Rennstrecke. Denn nur dort, kann man das enorme Potential dieses Renners wirklich ausschöpfen.

Wer dennoch Hecht im Karpfenteich spielen will, muss einige Regeln beachten. Neben einem sensiblen Gasfuß und einiger Disziplin sollte man versuchen Staus zu vermeiden. Die Kupplung mag kein schleifen und zu langes drauf stehen. Zumindest wurde mir das sehr nachdrücklich vor Fahrtbeginn eingetrichtert. Von Bordsteinen und Co. ganz zu schweigen. Schüchtern darf man auch nicht sein. Der Aufmerksamkeitswert ist etwa so, als wenn Brad Pitt die Fußgängerzone entlang läuft.

Fazit: Der Gumpert Apollo Speed verströmt eine Faszination, wie kaum ein anderer Supersportler. Ein ausgeklügelter Hightech-Renner aus Deutschland, der nur eines im Sinn hat. Eine Performance an den Tag zu legen, die seines Gleichen sucht. Und die man auch nur sehr schwer findet. Ein reines Männerauto für wenige Individualisten. Bisher wurden lediglich etwa 40 Fahrzeuge an (männliche) Kunden ausgeliefert. Ein Spielzeug, dass man sich unbedingt Leisten sollte. Wenn man kann.

 

Text: Dirk Schmied

Bilder: Tina Seifert

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