Fahrbericht. Das Skalpell unter den Messern.

Bereits zum Modelljahr 08 frischte Lotus die Elise auf. Mit den neuen Modifikationen unterstützte auch ein Kompressor den 1.8 l Vierzylinder, und hob die Leistung von 192 auf 220 PS an. Kein Grund, den nicht mehr ganz so taufrischen Briten nicht unter die Lupe zu nehmen.
Ob die Elise neuerdings zwei Airbags serienmäßig an Bord hat (vorher Option), eine Wegfahrsperre und Alarmanlage besitzt und ob die verbesserten Bordinstrumente und der neu designte Schlüssel gefällt, interessiert mich nicht wirklich. Käufer, die eine Elise ihr Eigen nennen und damit regelmäßig unterwegs sind, wohl schon eher. Besonders die Sicherheitsausstattung macht natürlich Sinn und ist heutzutage unverzichtbar.
Kompressor befeuerte 220 PS
Mein Interesse richtet sich weiter nach hinten. Hinter dem Fahrer genauer gesagt. Dort sitzt der nun mittels eines Roots-Kompressors aufgeladene 1.8er Vierzylinder von Toyota. Supercharged (SC) wie es bei Lotus heißt. 220 PS im nur 903 Kilo leichten Präzisionsgerät versprechen eine Menge Fahrspaß. Im Gegensatz zum geschlossenen Bruder Exige, hat man bei der Elise einen kleineren Lader gewählt, der ohne Ladeluftkühler und somit ohne den 8 Kilo schweren Ansaugschlund auskommt. Und dadurch auch gleichzeitig die Sicht nach hinten verbessert.
Wer zum ersten Mal in eine Elise einsteigt, wird sich mit Sicherheit vornehmen, in Zukunft wieder etwas mehr Gymnastik zu machen. Ohne das per Handarbeit abnehmbare Stoffdach geht es einigermaßen. Doch im geschlossenen Zustand, braucht es eine gewisse Technik und Gelenkigkeit. Da dieser Testwagen einige Tage mein Alltagsauto war, war dies ein Punkt, der mich nach einiger Zeit schon etwas genervt hat. Einige etwas korpulentere Kollegen und Bekannten wollten sich nicht die Blöße geben und haben es nicht einmal versucht, sich in die Rennwagen ähnliche Kanzel zu begeben.
Hochwertiger geworden
Doch wenn man mal das Cockpit geentert, und in den erstaunlicherweise recht bequemen Schalensitzen Platz genommen hat, entschädigt das was da noch kommt, für vieles. Das immer noch spartanische Cockpit ist insgesamt hochwertiger geworden. Die sogenannte „soft touch“ Oberfläche schmeichelt den Fingern. Neu ist auch der modern gewordene Startknopf. Wer jetzt Premiumqualität erwartet ist hier falsch. Aber verstecken muss sich Lotus deshalb nicht. Für diesen extremen Leichtbaurenner geht die dargebotene Anmutung voll in Ordnung.
Die ersten Meter in der Elise brauchen etwas Eingewöhnung. Nicht wegen der straffen Bedienung von Pedalen, Lenkung und Schaltung. Riesig wirkende Kotflügel, die gewölbte Frontscheibe und die Sicht aus dem rennmäßigen Cockpit erinnern an Onbordaufnahmen von einem Gruppe C Rennwagen. Mit 1850mm ist der Lotus nur rund 5cm breiter als ein Golf. Trotzdem kommt es einem vor als fülle man damit die ganze Straße aus. Sofern sich das Auge an die optische Täuschung eingestellt hat, relativiert sich das wieder.
Kompromissloser Sportler
Von den „engen“ Straßen der Stadt, verschlägt es die Elise auf die ewigen Weiten der Autobahn. Bei langsamer Fahrt in der City war zwar schon eine gewisse Härte zu spüren. Die Autobahn jedoch, entlarvt den Briten als einen Sportler mit nur wenigen Kompromissen. Miesepeter würden sagen, zu hart, zu laut und viel zu unentspannt. Doch die wahren Fans finden das Geil.
Wir haben es tatsächlich geschafft, die Höchstgeschwindigkeit von 241 km/h zu erreichen. Was weniger mit der Leistung oder der freien Strecke zu tun hat. Es ist eher eine Mut Frage. Zwar liegt die Elise sicher auf der Straße, aber diese Geschwindigkeit fühlt sich eher an wie weit über 300. Wir stellen fest, Stadt und Autobahn sind zwar kein Problem, aber nicht unbedingt das bevorzugte Revier des Lotus.
Bis über 8.000 Touren
Das ist die Rennstrecke. Und wer gerade keine zur Verfügung hat, die Landstraße. Dort begeben wir uns hin und lassen die Elise laufen. Das erlaubte Tempo ist schnell erreicht. Nur 4,6 Sekunden dauert der Sprint auf Hundert. Dabei dreht der Kompressor befeuerte Vierzylinder bis über 8.000 U/min. Drehwillig und mit kernigem Getöse geht es besonders ab 4.000 U/min druckvoll zur Sache.
Schöne Kurvenkombinationen sind für die Elise wie Weihnachten und Ostern zusammen. Und für den Fahrer. Messerscharf sticht der Renner in die Kurven. Bleibt dabei sehr neutral und lässt sich bei artgerechter Behandlung kaum aus der Ruhe bringen. Die Gänge rauf und runter schalten macht mit dem vollsynchronisierten 6-Gang Getriebe einen riesen Spaß. Bremsen, in die Kurve und wieder gefühlvoll raus beschleunigen. Herrlich.
König der Landstraßen
Hier fühlt sich die Elise Zuhause. Und kaum ein anderes Auto wird ihr auf diesem Terrain etwas vor machen können. Die Warnung eines Elise-Fahrers, dass das Auto im Nassen mit Vorsicht zu genießen sei, kann ich nicht teilen. So lange man es nicht übertreibt, kann man sogar recht flott damit unterwegs sein. Mit den beliebten Semi-Slicks sollte man da natürlich schon vorsichtiger umgehen.
Fazit:
Für rund 50.000,- Euro bekommt man zwar ein kleines puristisches Auto, aber dafür auch ein Rattenscharfes. Ein Sportgerät reinsten Wassers. Kein Auto in dieser Preisklasse bietet eine solche Performance. Mit Ausnahme des Ein- und Aussteigens, ein absolut alltagstauglicher Rennwagen für die Straße, der uns nach den 5 Testtagen sehr ans Herz gewachsen ist.
Text: Dirk Schmied
Bilder: Dirk Schmied, Lotus
Lotus Elise Jahrgang 2011
Gerade eben wurde die überarbeitete Elise auf dem Genfer Automobilsalon vorgestellt. Neben optischen und aerodynamischen Änderungen, sowie weiteren Details gibt es vor allem einen neuen Einstiegsmotor, dessen Hubraum von 1,8 l auf 1,6 l schrumpft. Jedoch unverändert 136 PS leistet. Dafür deutlich weniger verbraucht und entsprechend sauberer ist. 6,1 l auf 100 km sind ein super Wert.
Das 5-Gang Getriebe wird durch ein neues und kürzer übersetztes 6-Gang Getriebe ersetzt. In 6,7 Sekunden soll der gerade einmal 876 kg wiegende Lotus auf Hundert beschleunigen. Die beiden 1,8 Motoren mit 192 PS und der Kompressor mit 220 PS bleiben unverändert. Lotus setzt die mittlerweile 14 Jahre anhaltende Elise-Faszination weiterhin fort.
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