
Mittlerweile ist zwar der Mercedes E63 AMG mit 6.2 Liter Saugmotor-V8 das Topmodell der E-Klasse, doch der abgelöste 5.4 Liter V8 Kompressor bietet dank Aufladung bessere Möglichkeiten, die Leistung nach oben zu treiben. MG-Racing Häuptling Martin Garbrecht verwandelt das serienmäßig bereits sehr kräftige Modell in einen SLR-Schreck. 650 PS, 894 Nm Drehmoment und ca. 1.8 Tonnen Gewicht - das kann der Schönling mit Zweitnamen McLaren auch nicht besser.
Rein Äußerlich ist bis auf die Tieferlegung nichts von all dem zu erkennen. Nicht einmal größere Räder wurden montiert. Die 18 Zöller vom Werk blieben drauf. Aus gutem Grund, denn aus Traktionsgründen war das die beste Wahl. Mit Hilfe der Differenzialsperre gelangt die enorme Kraft erstaunlich schlupffrei auf die Straße.
Tiefgreifende Änderungen
Um so viel Leistung drauf zu packen, müssen natürlich tiefgreifendere Maßnahmen getroffen werden. Neuer Kompressor, Auslassventile, Ventiltrieb, Krümmer, Abgasanlage, Katatlysator, Elektronik. Um nur das Wichtigste zu nennen. Bezüglich der Standfestigkeit des Triebwerks braucht man sich keine Sorgen zu machen. Seit dem Umbau wurden bereits über 70.000 problemlose Kilometer abgespult. Und das Auto wird wirklich hart heran genommen. Ausflüge auf die Nordschleife sind keine Seltenheit. Der Chef lässt es gerne mal krachen.
Bei einer Ausfahrt des MG-Racing E55 fanden wir Bestätigung der Theorie. Auf dem Weg zur Autobahn ließ sich das folgende Erlebnis nur Ansatzweise erahnen. Etwas härter, etwas lauter, aber immernoch eine komfortable Limousine. Ein freies Stück Autobahn. Es kann los gehen. Mit tosendem V8-gehämmer schiebt der E55 wie ein wilder Büffel voran. 200 Km/h sind im Nu erreicht. Die Tachonadel wandert unaufhörlich Richtung 300. Als wäre es nichts. Bei knapp über 300 mahnt der Verkehr zum Abbremsen. Beim zweiten Versuch das Gleiche. Wer sagt, dass man solche Geschwindigkeiten nicht mehr fahren kann, sitzt im falschen Auto. 325 km/h ist der Wagen schon gelaufen. Dürfte aber noch Luft nach oben haben. Schwer zu sagen was beeindruckender ist. Die pure Kraft, der reine Speed, oder die Tatsache wie schnell man auf 300 ist.
Technikverliebt
Bei MG-Racing gibt es aber nicht nur schnelle Mercedes. Bei der Auswahl der Marken ist man relativ offen. Ob Porsche, VW, Corvette oder Oldtimer, Martin Garbrecht ist für alle Schandtaten bereit. Ihm geht es ohnehin hauptsächlich um die Technik. Großes Schnickschnack außenrum interessiert nicht. Auch die eigenen Leistungen werden manchmal unter den Scheffel gestellt. Dabei kann sich die kleine Tuningschmiede locker mit den ganz Großen der Branche messen. Zumal man Teile und Komponenten für die "Konkurrenz" entwickelt.
Das kommt nicht von Ungefähr. Nach Stationen bei AMG und Teves (Bremsen) brachte Martin Garbrecht genügend Wissen mit, um im Jahr 2003 seine eigene Firma zu gründen.
Um noch einmal auf die Rauchzeichen zu kommen. Mit 650 PS lassen sich bei ausgeschaltener Elektronik lustige Spielchen machen. Eine eindrucksvolle Demonstration auf dem Hockenheimring zeigt, dass Rauchzeichen nicht nur die Indianer beherrschen.
Text und Fotos: Dirk Schmied
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