Fahrbericht. - Mensch, der ist aber groß geworden.

Nachfolgemodelle sind in der Regel meist größer als Ihre Vorfahren. So war es schon immer. Wenn sie irgendwann viel größer sind als ihr Ausgangsprodukt, wird einfach von unten eine neue Modellreihe nachgeschoben. Opel hat beim neuen Meriva gleich mal eine ganze Klasse übersprungen. Einstige Spielkameraden wurden zurück gelassen bzw. wirken jetzt plötzlich viel kleiner.
Mit 4,28m Länge ist der Kompaktvan immerhin rund 10-30cm länger als beispielsweise ein Skoda Roomster oder ein Kia Venga. Das bedeutet viel Platz. Vorne wie hinten bietet der neue Meriva genügend Raum und übernimmt die Tabellenführung. 400 bis maximal 1.500 l Kofferraumvolumen sind ebenfalls ein Spitzenwert in dieser Klasse. Nur der Roomster kann noch mehr aufnehmen.
Klein aber oho
Unser Testwagen beherbergt den neuen 1.4 Liter Vierzylinder mit Turboaufladung. Das relativ kleine Aggregat leistet stramme 140 PS und ist auch im neuen Astra erfolgreich im Einsatz. Drei Ausstattungslinien hat Opel im Programm. Selection, Edition und Innovation. In der höchsten Kategorie (Innovation) bleiben dann auch kaum mehr Wünsche offen.
Beim Einsteigen fällt neben dem großzügigen Platzangebot das schmucke Interieur auf. Hier war ich wirklich positiv überrascht. Schön gemacht. Fühlt sich hochwertig und solide an. Insignia und Astra lassen grüßen. Will man hinten einsteigen, greift man erst mal ins Leere. Die hinten angeschlagenen Fondtüren öffnen sich entgegengesetzt. FlexDoors nennt es Opel. Selbstmördertüren heißt es im Volksmund.
Außergewöhnliches Türkonzept
Früher gab es das öfters. Und es scheint, als würde es wieder in Mode kommen. Rolls Royce Phantom und Mazda RX8 haben sie bereits. Dies ist nicht nur eine modische Erscheinung. Viel mehr hat es den Vorteil, dass man besser einsteigen kann. Die Türen gehen extrem weit auf (84 Grad). Opel sagt es sei rückenschonender. Wie auch immer. Auf jeden Fall ist es cool.
Motorentechnisch hat Opel drei Benziner und einen Diesel für den Meriva im Programm. Die drei Benziner haben jeweils 1.4 l Motoren mit 100, 120 und 140 PS. Der 1.7 l Diesel leistet 100 PS. Die beiden kleineren Benziner schalten per manuellem 5-Gang-Getriebe. Der stärkere 140 PS Motor darf mit einem 6-Gang-Getriebe an den Start gehen. Für den Diesel ist ein 6-Gang-Automatikgetriebe vorgesehen.
Sportliche Ausrichtung
Das leichtgewichtige 6-Gang-Schaltgetriebe lässt sich opeltypisch knackig schalten. Aber auch hier begleitet ein ganz leichtes hakeln den ansonsten genussvollen Schaltvorgang. Stört aber nicht. Gewohnt sportlich ist auch das Fahrwerk des Meriva. Unebenheiten teilt er jederzeit mit. Ihn deshalb unkomfortabel zu nennen wäre falsch. Sagen wir mal, ein komfortables Auto mit sportlicher Orientierung. Im Grunde ist alles drin und dran was ein entspanntes Vorankommen gewährleistet.
Bequeme Sitze, viele technische Gimmicks, hochwertige Materialien, praktische Ablagen und eine gute Sicherheitsausstattung. Für die hinteren Passagiere ist ebenfalls bestens gesorgt. Vielfach einstellbare, leicht erhöhte Sitze mit genügend Platz für 3 Personen. Wenn hinten nur zwei Leute mitreisen, kann man den mittleren Sitz umklappen und die beiden äußeren Sitze etwas nach innen schieben. Somit bleibt in der Breite mehr Bewegungsspielraum. Klappt man die hinteren drei Sitze um, erhält man eine fast ebene große Ladefläche für viel Gepäck. Auch eine Art von Komfort.
Sahniger und kräftiger Motor
Doch bleiben wir beim Fahrwerk. Sportliche Fahrer werden ihre Freude daran haben. Schnell gefahrene Kurvenkombinationen machen Laune. Damit die nicht vergeht ist der Meriva sicher abgestimmt. Leicht untersteuernd nimmt er die Luft aus den Segeln wenn es mal zu schnell wird. Einzig starkes Bremsen mit anschließender Kurvenumrundung bringt ihn etwas aus der Ruhe. Auf der Autobahn liegt der Meriva ebenfalls gut in der Spur. Dank des kräftigen Motors ist zügiges Reisetempo schnell erreicht.
Dabei bleibt er sehr leise. Nur bei höheren Drehzahlen wird er etwas deutlicher. Der 1.4er ist ein Sahnestück. Geschmeidig zieht er aus dem Drehzahlkeller. Das maximale Drehmoment von 200 Nm liegt zwischen 1.850 – 4.900 U/min an. Somit gerüstet lässt es sich entspannt und souverän reisen. Als Verbrauch gibt Opel im Schnitt 6,7 l/100 km an. In der Praxis sind das je nach Fahrweise realistische 8 bis 8,5 Liter.
Der von uns getestete Top-Benziner mit der höchsten Ausstattung kostet 21.750 Euro. Der günstigste Meriva mit 100 PS beginnt bei 15.900 Euro. Der gleichstarke Diesel bei 19.400 Euro.
Fazit:
Mit der neuen Generation wächst der Meriva über sich hinaus. Größenmäßig und technisch. Ein sportlicher, praktischer Familienvan für überschaubares Geld. Unterhalb des größeren Zafiras positioniert. Der Fortschritt ist deutlich zu spüren. Ein Freund, der privat einen Zafira fährt, formulierte es trefflich: um Welten besser als der Zafira. Sorry Opel - aber es bleibt ja im Hause.
Technische Daten
1.4 l Vierzylinder mit Turboaufladung / 1.364 cm² / 140 PS bei 4.900 U/min / 200 Nm Drehmoment bei 1.850 – 4.900 U/min / 6-Gang-Schaltgetriebe / Vorderradantrieb / Serienbereifung rundum 205/55 R16 V / Gewicht 1.360 kg / Zuladung 530 kg / Verbrauch 6,7 l/100 km / 0-100 km/h: 9,7 sec. / V/max: 196 km/h / Grundpreis: 15.900 Euro
Text: Dirk Schmied
Bilder: Tina Seifert, Opel
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