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Saab 9-3 Cabriolet 1.8t BioPower

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Ehrlich gesagt, kann ich es nicht mehr hören. Green-Tec, Bluetec, Ecoblablabla oder Öko-siehste-da. Als gäbe es nichts mehr anderes. Mir graut es bei jeder Messe und täglich bei den dutzenden Pressemeldungen. Marke XY hat den saubersten Diesel. Nein, wir haben die beste Öko-Bilanz. So geht das schon die ganze Zeit. Es nervt.

Bevor ich jetzt böse Briefe bekomme… Natürlich ist es Notwendig immer wirtschaftlichere Technologien zu entwickeln und neue Ideen zu verfolgen. Jeder möchte eine saubere Umwelt. Keine Frage. Mich stört nur das penetrante „wir sind die Besten“ Gequassel. Angenehm bescheiden gibt sich dagegen der schwedische Automobilhersteller Saab.

Saab unter Spyker Regie

Okay, die hatten in letzter Zeit ganz andere Sorgen. Eine Zeit lang stand es nicht so gut um die Marke. Nach einigem hin und her hat nun die kleine niederländische Sportwagenmanufaktur Spyker die Skandinavier übernommen. Doch bleiben wir beim Thema.

Saab EcoPower-Technologie nennen sie ihr umweltfreundliches Programm. Im Prinzip geht es um den intelligenten, effizienten Einsatz von Ressourcen. Das betrifft generell alle Modelle. Eine besondere Linie nennt sich Saab BioPower. Diese Modelle können sowohl mit Bioethanol (E85) und mit Benzin gefahren werden. Die so genannte Flexfuel-Lösung.

Rund 94 Cent pro Liter

Bei Bioethanol E85 stammen 85 Prozent des Kraftstoffs aus erneuerbaren Ressourcen. Das senkt nicht nur den CO2 Ausstoß, sondern fördert auch die Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen. Durch die höhere Oktanzahl von E85 steigt die Leistung in diesem Fall um bis zu 25 PS. Nachteil ist, dass der Verbrauch um bis zu 30 Prozent steigt. Dafür kostet der Liter E85 momentan durchschnittlich nur 94 Cent.

Diese Technologie hatte auch unser Testwagen. Der Saab 9-3 Cabrio 1.8t BioPower. Die Modellbezeichnung könnte leicht in die Irre führen. Der 1.8er ist tatsächlich ein 2,0 Liter Vierzylinder mit Turboaufladung. Wichtiger ist, was raus kommt. Nämlich stramme 175 PS. Im Benzinbetrieb muss man jedoch 25 PS wieder abziehen. Auch das Drehmoment von 265 Nm bzw. 240 Nm lassen nicht auf Kraftmangel schließen.

Kein Leistungsmangel

Im Fahrbetrieb halten die Werte was sie versprechen. Das Cabriolet ist allseits gut motorisiert. Es kommt nie das Gefühl von Leistungsmangel auf. Im gesamten Drehzahlbereich. In 8,9 Sekunden beschleunigt der 9-3 auf Hundert. Der Vortrieb endet bei 210 km/h. Dabei Verbraucht der Schwede lt. Werksangabe durchschnittlich rund 7,8 l/100 km. Super bleifrei wohlgemerkt. Mit E85 sind es 9,7 l/100 km. Doch hier kommt wieder der günstigere Spritpreis ins Spiel. Unterm Strich sind das bei 100 Kilometern knapp 2 Euro Ersparnis.

Ich bin mir nicht sicher, ob sich Saab-Fahrer für solche Rechen und Zahlenspiele interessieren. Es sind eher andere Dinge. Das Design zum Beispiel. Es besteht keine Verwechslungsgefahr wie bei so vielen anderen Marken. Ein Saab sticht aus der Menge. Ein Auto für Individualisten. Was sich in manchen Details widerspiegelt. So sitzt zum Beispiel das Zündschloss in der Mittelkonsole unterhalb des gut zu schaltenden 6-Gang-Getriebes.

Keine „Gummi-Kuh“

Wer wie ich bis dahin noch keinen Saab gefahren ist, wird positiv überrascht sein. Man sollte ihn nicht mit seinem Landsmann Volvo vergleichen. Ein guter Freund nennt seinen Volvo liebevoll „Gummi-Kuh“. Denn so fährt sich das große Schiff ein wenig. Komfortabel, aber etwas schwammig. Ein Saab ist zwar auch komfortabel. Doch der Sportsgeist ist allseits spürbar. Fahrwerk, Lenkung und Schaltung vermitteln einen relativ sportlichen Eindruck. Soweit man das für ein Fahrzeug dieser Gattung sagen kann.

Gemütliches Cruisen mag er ebenso wie flotte Kurven. Wenn das vollautomatische  Stoffverdeck geöffnet ist, kommt richtiges Cabrio-Feeling auf. Kein Weicheicabrio. Es kommt noch genügend Luft in den Innenraum. Mehr als ich vermutete. Das Platzangebot ist für ein Viersitziges Cabrio sehr gut. Hinten bleibt genügend Platz. Nicht nur für Kinder. Auch der Kofferraum reicht für die meisten Situationen aus. Ist das Dach geschlossen, sind es immerhin 352 Liter. Bei geöffnetem Verdeck passen noch 258 Liter rein. Rund 20 Sekunden braucht es für das Auf bzw. Zu machen. Sogar während der Fahrt bei bis zu 30 km/h.

Kaum Grund zu meckern

Viel zu meckern gab es bei unserer Testfahrt nicht. Im Innenraum hätte ich mir ein bisschen mehr Farbe gewünscht. Und die leichten Verwirbelungen im Innenraum waren etwas störend. Zumindest bei diesen Temperaturen. Wenn es heiß ist, mag das sogar positiv sein. Ansonsten ein feines Auto. In der Grundausstattung „Linear“ kostet das 9-3 Cabrio 1.8t BioPower 35.750 Euro. In der höheren „Vector“ Ausstattung 38.750 Euro. Die Top Variante „Aero“ steht nur für höher motorisierte 9-3 Cabrios zur Verfügung. Auch ist optional eine 5 Gang Automatik lieferbar.

Fazit:
Sieht gut aus, fährt gut, ohne nennenswerte Schwächen. Das Saab 9-3 Cabrio spricht vielleicht nicht die große Menge an, aber das ist auch gut so. Ein Auto für Individualisten. Ein Farbklecks in der Menge. Er hat eine Probefahrt verdient.

Vielen Dank an das freundliche Autohaus Dechent in Heidelberg für die Bereitstellung des Testwagens. Mehr unter www.dechent.de.

Technische Daten:
2.0 l Vierzylinder Turbo  /  1998 cm³  /  175 PS bei 5.500 U/min  /  265 Nm bei 2.500 – 3.500 U/min  /  Euro 4  /  0-100 km/h in 8,9 – 10,1 sec.  /  Höchstgeschwindigkeit: 210 km/h  /  Verbrauch: 7,8 – 9,7 l/100 km  /  Gewicht: 1.650 – 1.835 kg  /  Kofferraumvolumen: 258 – 352 Liter  /  6-Gang Schaltgetriebe  /  Optional: Sentronic 5-Gang Automatik  /  Grundpreis: 35.750 Euro

Text und Bilder: Dirk Schmied

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