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Tesla Roadster Sport

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Am Anfang hat man sie belächelt. Als Martin Eberhard und Marc Tarpenning im Juli 2003 Tesla Motors ins Leben riefen, konnte sich niemand vorstellen, daß die Firma 7 Jahre später ihr Produkt in den USA, Europa und Asien über ein eigenes Händlernetz vertreibt.  Doch nicht nur das: Der Tesla Roadster Sport ist heute das Elektroauto schlechthin, der einzige Sportwagen mit Elektromotor und der Grund schlafloser Nächte deutscher und japanischer Ingenieure. Autos-Pur.de hat den Tesla gefahren und beantwortet endgültig die Frage ob der elektrisierte Sportler eine echte Alternative zu unseren geliebten Verbrennern darstellt.

292 PS, 400 Nm, ohne Ton

In fast allen Zeitungen rund um den Globus hat man den Tesla in höchsten Tönen gelobt. Selbst die kritische Auto Motor und Sport hat ihm 4 Sterne geschenkt. Als Liebhaber des markanten Auspuffsounds betrachten wir das E-Mobil zunächst mit Skepsis. Kann dieses Ding mit der klanglichen Erotik einer Mikrowelle Spaß machen?  1238 kg DIN Gewicht, Alu-Chassis mit Karbonanbauteilen, 292 PS und 400 Nm bereits bei 0 Umdrehungen klingen vielsprechend. Doch wie fühlt sich sowas wirklich an?
Für Lotus Fahrer wirkt zunächst alles sehr vertraut. Die flache, breite und kompakte Optik erinnert unmissverständlich an die technische Basis aus Hethel obwohl Tesla von nur 6% Gleichteilen mit der Elise spricht. Das Verdeck gehört da jedenfalls schon mal dazu. Ebenso das Lenkrad, die Sitze und eigentlich der ganze Innenraum. Trotz reichlich Leder und netten Karbonapplikationen ist der Einstieg in den Tesla daher wie eine  Begegnung mit einem alten Freund. Alles passt, sitzt und hat kaum Luft.

Schwergängige Lenkung

Ein Kupplungspedal freilich sucht man vergebens, ebenso einen Schalthebel. Stattdessen fällt der Blick auf eine Mittelkonsole mit 4 Knöpfen: Vorwärts, Rückwarts, Neutral und Parken. Der kleine Bildschirm darüber erlaubt zusätzlich die Wahl zwischen 3 selbsterklärenden Modi: Max Range, Normal und Performance. Gestartet wird mittels Druck auf den mittleren Knopf des Elise bzw. Tesla Schlüssels. Was passiert? Bis auf ein paar herumspringende Zeiger im Armaturenbrett und einem netten Klingelton, gar nichts. Der Tesla bleibt gespenstisch ruhig und erhebt seine Stimme auch beim Rausfahren aus dem Parkplatz überhaupt nicht.  Die Lenkung ist nicht servounterstützt. Man merkt es. Lässiges Rangieren mit der Handfläche ist tabu. Selbst bei moderatem Stadttempo sind die Haltekräfte enorm. Das Auto der Zukunft erinnert diesbezüglich an britische Roadster aus den 60ern. Tatsächlich stammt das gesamte Lenkgetriebe aus der Elise. In dem Leichtgewicht wirkt das Volant feinnervig und präzise, im Tesla plump, grob und unbeholfen. Was ein paar kg mehr ausmachen.

Unglaublicher Antritt

Das katastrophale Lenkverhalten ist aber dennoch kein Grund um augenblicklich wieder auszusteigen. Denn die eigentliche Sensation liegt natürlich ganz wo anders. Um es klar auszudrücken:  Auto und Fahrer  werden subjektiv ungefähr so dramatisch nach vorne gefeuert wie ein Go-Kart mit dem 13 l V8 aus der Weineck Cobra. Nur gibt der gerademal 30cm lange Motor dabei kaum einen Ton von sich. Mehr als ein leises Summen welches entfernt an eine losfahrende Straßenbahn erinnert, ist nicht zu erwarten. Der Gedanke an Soundtuning mittels Verstärker lässt unsere Gefühlswelt allerdings erschaudern. Nichts dürfte schlimmer sein als die Klangimitation eines Hubkolbenmotors. Es gehört sich auch nicht. Die kalte, lautlose und absolut linear kontrollierte Leistungsexplosion passt zum Elektrosportler wie die Schacheröffnungsbibliothek zu Mr. Spock. Der Tesla ist ein Android. Er bietet sein Drehmoment immer sofort an, ohne Verzögerung, ohne Turboloch, ohne Getriebeübersetzung. Die dabei vorgetragene Perfektion erstaunt und verblüfft. Keine Lücke im Stadtverkehr ist zu klein um sich nicht wieder vom Katapult abfeuern zu lassen. Die Werksangabe in 3,7s von 0-96 km/h verrät dabei nur die halbe Wahrheit. Denn während  der Ampelgegner noch die Launch Control aktiviert oder Kupplung und Gas sortiert ist der giftgrüne Tesla längst nur noch ein Punkt am Horizont. Die ganze Raserei fällt dabei kaum jemanden auf. Es ist ein lautloser Spaß im Verborgenen unterbrochen nur von den Fragen armer Verkehrsteilnehmer, die ein scheinbar gestriges Automobil pilotieren.

Fahrdynamik mit Schwächen

Legt der Tesla wirklich alle anderen Fahrzeuge mit Benzintank trocken? Nicht ganz. Die Achterbahn auf 4 Rädern funktioniert nur bis etwa 130 km/h, darüber lässt der Vortrieb rapide nach und der zuvor noch abgeschüttelte Motorradfahrer erscheint unter wütendem Röhren wieder im Rückspiegel. An der nächsten Kurve schon kann es dann richtig peinlich werden. Die Bremsleistung ist mickrig und dürfte dem karbonerfahrenen Sportfahrer als lächerlich vorkommen. Als hätte man überall im Auto  Bleiplatten verlegt neigt sich der Tesla spürbar in die Kurve. Das Gripniveau ist dank der optionalen Sportreifen respektabel. Trotzdem hätte ein leidlich talentierter, herkömmlicher Sportwagen die nächste Biegung bereits wieder verlassen, während der Pilot im Tesla noch mit Anbremsen beschäftigt ist.  Die auch bei flotter Kurvenfahrt viel zu schwergängige Lenkung trägt ihren Teil dazu dabei, daß man den Grenzbereich lieber nicht erkundet. Zumal die flotte Kurvenhatz ohnehin nach kurzer Zeit mittels Rücknahme von Drehmoment und Leistung unterbunden wird. Den Grund dafür erfährt der Fahrer nicht. Nach einer kurzen Phase der Zurückhaltung erscheint der Roadster Sport dann allerdings wieder erholt und es kann weitergehen mit dem rasanten Fahrgeschäft.

Ideal für den Kurzstreckenbetrieb

Wie lange schafft es der Tesla von einer Steckdose zur anderen? Antwort: Ca. 300km, erstaunlich weit also, zumindest wenn man sich beherrscht und nicht ständig der Versuchung erliegt durchzustarten. Sportlich bewegt hingegen kann der Spaß auch schon bei etwa 150 km eine Ende haben. Danach geht es für 16 Stunden an die Haushaltsteckdose. Mit 60 Ampere kann man den Energiespeicher immerhin schon nach 3,5 Stunden voll machen.   Damit besteht eine realistische Chance den Wagen über Nacht komplett zu laden und am nächsten Tag zur Arbeitsstelle zu fahren. Für den Kurzstreckenverkehr reicht es also und tatsächlich ist der Tesla für diesen Betrieb auch wie geschaffen.
Wer den unglaublich spontan ansprechenden und extrem drehmomentstarken Elektromotor im Stadtverkehr erlebt hat, für den verfliegen Zweifel an der Zukunftsfähigkeit dieses Antriebkonzepts. Selbst im Rahmen einer 50 km/h Zone lässt sich hier Fahrfreude erfahren, die mit den trägen lauten Verbrennern absurd erscheint. Somit erübrigt sich auch die Diskussion über primäre Energieträger und Batteriehaltbarkeit. Die emissionsfreie und beinahe lautlose Fortbewegung ist nicht nur am  Viktualienmarkt in München ein Segen. Die deutschen Hersteller werden sich sputen müssen um den Anschluss nicht zu verpassen.

Fazit: Der Tesla ist ein Meilenstein

Als Sportwagen aber fällt der Tesla Roadster Sport durch. Er ist der unumstrittene Sprinterkönig, aber ein durchtrainierter Athlet muss sich auch als Zehnkämpfer beweisen. Ein Elektrosportwagen auf der Nordschleife? Noch undenkbar. Von München an den Gardasee über den Großklockner? Ebenfalls unmöglich. Bauernschlau ist dennoch derjenige, welcher den Tesla für seine Fehler kritisiert. Mit 100.000,- Euro Grundpreis will der Wagen ohnehin nicht die Massen mobilisieren. Er ist der erste einer neuen Art von Auto. Der eigentliche Urknall des Zeitalters Elektromobilität. Ein Meilenstein der Automobilgeschichte. Nicht mehr und nicht weniger.

Vielen Dank an Sarah Zimmermann vom Tesla Store Munich für die Bereitstellung des Testwagens!

Text, Bilder: Martin Englmeier

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