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Wiesmann MF4-S Roadster

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Eines vorweg. Wiesmanns neuestes Werk, der MF4-S Roadster ist meiner Meinung nach nicht nur der beste Wiesmann aller Zeiten, sondern kann es auch mit weit gewichtigeren Namen in dieser Fahrzeugklasse aufnehmen.

Vielleicht nicht unbedingt nach Punkten in irgendwelchen festgelegten langweiligen Punktetabellen, aber in Sachen Emotionen, Fahrgefühl und Stil, ist der MF-S Roadster kaum zu schlagen.

Der beste Wiesmann

Warum der neue Roadster für mich der beste Wiesmann ist, ist einfach. Man muss sich nur diese betörende Form anschauen. Diese Rundungen und Proportionen. Einfach atemberaubend. Elegant und stilvoll und dennoch muskulös und martialisch. Im Gegensatz zum kleineren MF3 Roadster wirkt der MF4 Roadster erwachsener und proportional gelungener.

Auch technisch bietet der auf dem Coupé basierende Schönling alles was aus dem Hause Wiesmann und BMW gut und teuer ist. Dabei kann der Kunde zwischen zwei Motorvarianten wählen. Der MF4 Roadster besitzt einen 4,8 Liter V8 mit 367 PS und 490 Nm Drehmoment. Sein Bruder, der MF4-S Roadster hat den hochdrehenden 4,0 Liter V8 aus dem aktuellen BMW M3 an Bord. Mit 420 PS und 400 Nm Drehmoment eher für die sportliche Gangart bestimmt, macht der großvolumigere, drehmomentstärkere aber PS-schwächere Bruder die Cruiser glücklich.

Zuverlässige und moderne Technik

Vom Feinsten auch die Getriebe. Entweder per Hand mit dem manuellen 6 Gang-Getriebe, oder automatisch per 7 Gang-Doppelkupplungsgetriebe. Zuverlässige und moderne Technik gepaart mit nostalgischer Karosserieform. Nur der Supersportler MF5 mit seinem 507 PS starken V10 Motor setzt technisch noch einen drauf. Für einige ist der Kraftprotz formal etwas zu aggressiv geraten. Außerdem gibt es ihn bis jetzt noch nicht als Roadster.

Soweit die Theorie. Wir treffen uns bei Marco Heß, Chef von Wiesmann-Frankfurt, um den neuesten Gecko zu testen. Schon beim Einsteigen wird klar, dass es sich um einen waschechten Sportwagen handelt. Etwas Gelenkigkeit wäre von Vorteil. Hohe Einstiegsleiste, schmaler Fußraum und eine tiefe Sitzposition lassen sofort spüren, dass es sich hier nicht um einen weichen Cruiser handelt. Die tolle Lederausstattung und die dem Fahrer zugeneigte typische Uhrensammlung kommt mir vertraut vor und erinnert an den MF3. Ein dickes, schwarzes Wildlederlenkrad, was verdammt gut in der Hand liegt, unterstreicht den sportlichen Anspruch und weckt Vorfreude.

Erst mal eingewöhnen

Schlüssel rumdrehen, Startknopf drücken, und der Achtzylinder unter der langen und stark gewölbten Motorhaube erwacht. Das Doppelkupplungsgetriebe soll erst einmal automatisch schalten. Die Sporttaste bleibt auch noch aus. Für die ersten Eingewöhnungsmeter durch die Stadt optimal. Die in alle Richtungen zu erblickenden Rundungen des Roadsters sind zwar schön anzusehen, aber für die Rundumsicht eher schlecht. Jedenfalls fahre ich im 1,88 m breiten, 4,23 m langen und 1,19 m hohen MF4-S Roadster eher auf Verdacht. Erst  später stellte sich ein gewisses Vertrauen ein.

Zum Anfahren muss man erstaunlich viel Gas geben. Wenn der 4,0 Liter V8 aber mal Drehzahl hat und der Wagen rollt, hängt er am Gas wie ein Rennmotor. Wer den Sound des MF3 Roadsters  kennt, wird im ersten Moment etwas enttäuscht sein. Aktuelle Geräuschvorschriften lassen den Achtzylinder nicht so spektakulär wirken wir den Sechszylinder im MF3. Besonders bei hohen Drehzahlen kommt der Neue erst richtig zur Geltung. Dann aber gewaltig.

Blitzschnelles und ruckfreies Schalten

Wir lassen die Stadt hinter uns, und begeben uns auf die Landstraße. Getriebemodus ändern und per Schaltpaddel am Lenkrad schalten. Sporttaste an! Giftig startet der MF4-S durch. Ruckzuck und mit mächtig Getöse dreht der V8 locker bis über 8.000 Umdrehungen. Bei 8.300 liegen 420 PS an. Das geht so schnell, dass ich froh bin, nicht manuell schalten zu müssen, sondern nur am Paddel ziehen brauche. Blitzschnell und ruckfrei ist der nächste Gang drin. Herrlich. So macht schalten Spaß.

4,4 Sekunden vergehen bis 100 km/h. 300 Sachen sind möglich. Glaube ich sofort, bei diesem Schub. 1.315 kg Leergewicht machen es den 420 PS und 400 Nm Drehmoment relativ einfach. Ein sehr steifes Aluminium-Monocoque und leichte Materialien halten das Gewicht, des in Handarbeit gefertigten Roadsters in Grenzen. So muss das sein. Einen Gruß an die schwergewichtigen Kollegen.

Der MF4-S liebt Kurven

Nicht nur gerade aus, auch in den Kurven macht der Gecko eine gute Figur. Sehr straffes Fahrwerk, niedriger Schwerpunkt. Die montierten 20 Zöller (Serie 18 Zoll) bieten viel Grip. Hohe Kurvengeschwindigkeiten sind kein Problem. Nein, der MF4-S liebt Kurven geradezu. Auch dank der neuen Doppelquerlenker. Generell kommt nie das Gefühl auf, dass der Wiesmann in Verlegenheit geraten würde. Souverän gibt sich auch die Bremsanlage, die der Leistung locker gewachsen ist.

Bremsen und Runterschalten tun zwar die Wenigsten gerne, aber hier macht es einen heiden Spaß. Denn die dabei entstehenden Geräusche machen süchtig. Das kurze Fauchen begeistert. Toll ist auch, dass im Vergleich zum kleineren MF3 Roadster der Offenfahrkomfort gestiegen ist. Es zieht nicht mehr ganz so sehr an den Ohren. Der große Roadster kann alles ein bisschen besser als der MF3. Größer, erwachsener, schneller, einfacher zu handeln. Jedoch nicht ganz so puristisch und teurer.

Hohe Exklusivität

Mit Doppelkupplungsgetriebe (DKG) geht es bei 143.200 Euro los. Unser Testwagen hatte bis auf die Rennbremsanlage (ca. 8.000 Euro) alles an Bord. Rund 175.000 Euro lassen ihn schnell in Regionen vorstoßen, die von Porsche Turbo oder Ferrari California besetzt sind. Doch in dieser Gesellschaft kann sich der MF4-S Roadster ohne Probleme sehen lassen. In Punkto Technik, Aussehen, Fahrspaß und Exklusivität, müssen sich andere ganz warm anziehen.

 

Text: Dirk Schmied

Technische Daten: http://www.wiesmann.com/de/modelle/roadster_mf4/technische_daten

Fotos: André Thormann http://www.andre-seins.de/3.html

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