Präsentation, Rollout und Test in Valencia.
Bei kaum einer Formel 1 Saison standen so viele Neuerungen und Änderungen auf dem Plan wie in dieser. Slick Reifen, größerer Frontflügel, kleinerer Heckflügel, Absenkung der Motordrehzahl auf 18.000 U/min und natürlich das KERS-System sind nur einige von vielen weiteren Maßnahmen um die Königsklasse des GP Sports spannender und günstiger zu machen. Speziell das Überholen, soll so wieder einfacher von statten gehen.
In der vergangenen Saison machten Ferrari und McLaren-Mercedes die Weltmeisterschaft unter sich aus. Wenn auch BMW-Sauber zeitweise ganz gut im Rennen lag und mit dem ersten Sieg von Robert Kubica das selbst gesteckte Ziel erreichte. In der vierten Saison wollen die Weißblauen nun um die Weltmeisterschaft mitfahren, und die Topteams einholen. Durch die tief greifenden Reglementsänderungen werden die Karten jedoch neu gemischt, da man schwer auf Erfahrungen des Vorjahres zurückgreifen kann.
Das BMW-Sauber Team hält diese Tatsache jedoch nicht ab, das angepeilte Ziel zu erreichen. Schon im Februar 2008 hat man mit der Entwicklung des 2009er Modells begonnen. Für das Konzept des F1.09 ist Willy Rampf verantwortlich, der auch die Einsätze an der Rennstrecke als Technischer Koordinator betreut. Managing Director Walter Riedl leitet die Technikabteilung in Hinwil und ist für die Entwicklung des Fahrzeugs zuständig. In München ist Markus Duesmann (Leiter Antrieb) für das KERS (Kinetic Energy Recovery System) und den V8-Motor zuständig.
Bis auf Willy Rampf, der lieber Zuhause in seiner Küche blieb, waren alle Schlüsselfiguren bei der Präsentation des neuen BMW-Sauber F1.09 im sonnigen Valencia vertreten. 20. Januar 2009, 09.00 Uhr Start und Ziel Gerade auf dem 4,005 km langen Circuito de la Comunitat Valenciana Ricardo Tormo. Der F1.09 schlummert unter einer Plane, die gleich von Nick Heidfeld und Robert Kubica weg gezogen wird. Die Spannung steigt. Der erste Blick auf den neuen Renner ist immer ein besonderer Moment.
Es ist soweit. Das Tuch fällt. Doch der erste Eindruck lässt den neuen F1.09 nur wenig vom Übergangsmodell unterscheiden. Etwas eckig wirkt er. Eine hohe und breite Nase sowie die hohen Seitenkästen fallen neben den reglementsbedingten ungewohnt wirkenden Flügel sofort ins Auge. Aber ob der Wagen schön ist oder nicht, spielt kaum eine Rolle. Effizient muss er sein. Und das, werden wir wie immer, erst bei Saisonstart erfahren. Zumal die meisten Teams ihre letzten Aerodynamik-Pakete bis kurz vor Beginn zurückhalten.
Ein gut gelaunter Robert Kubica darf den Rollout machen, und geht erst einmal für ein paar Runden auf die Strecke. Anschließend geht es zur Pressekonferenz. Teamchef Mario Theissen, Managing Direktor Walter Riedl, Motorenmann Markus Duesmann sowie die Fahrer Nick Heidfeld, Robert Kubica und Testfahrer Christian Klien stehen geduldig Rede und Antwort. Wie fühlt sich das Auto an? Sind die Probleme mit dem Stromschlag beim Boxenstopp behoben? Wird das KERS schon beim Saisonstart eingesetzt? Fragen über Fragen.
Um die Wichtigsten zu beantworten. Das Auto fühlt sich gut an, doch die Reglementsbedingt ca. 20 Prozent Abtriebsverlust merkt man deutlich. Auch die Balance durch das ca. 30 kg wiegende KERS ist gewöhnungsbedürftig. Das Problem mit der Stromspannung ist behoben und ob das KERS bereits zum Saisonstart eingesetzt wird, kann man zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen. Derzeit ist es nicht einsetzbar. Doch bis dahin vergehen noch einige Wochen.
Gegen Mittag beginnen die eigentlichen Testfahrten, die insgesamt vier Tage andauern. Das BMW-Sauber Team hat die Strecke exklusiv gemietet und kann ungehindert sein Programm abspulen. Nach den vier Tagen waren es immerhin 1.887 Kilometer, die Robert Kubica und Nick Heidfeld ohne nennenswerte Probleme hinter sich brachten. Die Testfahrten wurden ausschließlich mit dem neuen Modell gefahren. Inklusive des auf 18.000 U/min gedrosselten Motors und des KERS-Systems. Lediglich starker Wind hat die letzten 2 Tage etwas behindert.
Wie jedes Jahr kann man spekulieren wie man will. Wo man am Ende stehen wird, kann wirklich keiner mit Gewissheit sagen. Jedes Team gibt sein Bestes. Das BMW-Sauber Team wirkte in Valencia jedenfalls gut vorbereitet und voller Optimismus. Sogar ein wenig entspannt. Wir sind jedenfalls gespannt was am 29.03.2009 in Australien passieren wird.
Was macht die Konkurrenz?
Ferrari. Der Neue F60 wurde als erstes Fahrzeug der neuen Generation vorgestellt. Auffällig ist die schmale und spitz zulaufende Nase. Außergewöhnlich auch die Position und Halterung der Rückspiegel, die in die Leichtbleche integriert sind, was Luftwiderstand und Verwirbelung verbessern soll. Ein verkürzter Radstand und offen liegende Auspuffendrohre sind weitere Merkmale. Das KERS-System ist beim F60 im Heck untergebracht und wiegt wie bei den meisten Anderen Teams etwa 30 Kilo. Auch hier klagt man über Schwierigkeiten mit der Gewichtsverteilung. Priorität hat dieses Jahr die Zuverlässigkeit, die im letzten Jahr den Fahrer-Titel gekostet hat.
McLaren-Mercedes. Mehr Aufregung als das neue Fahrzeug dürfte wohl der Rückzug von Ron Dennis als Teamchef erzeugt haben, dessen Posten jetzt Martin Whitmarsh übernimmt. Der neue MP4-24 wirkt leicht globig, sehr rund und etwas wuchtig. Doch auch hier darf man sich nicht vom Äußeren beeinflussen lassen. McLaren-Mercedes wird auch dieses Jahr wieder zu den Favoriten zählen. Wie bei Ferrari wurde auch beim MP4-24 der Radstand, für eine bessere Gewichtsverteilung Richtung Front, verkürzt.
Renault. Der Walhai habe das Design des neuen R29 inspiriert. Eine breite und eckig wirkende Front, bauchige Seitenkästen und verkleideten Hinterradaufhängungen sowie eine hohe und weit nach hinten reichende Motorabdeckung fallen in Auge. Bei den ersten Tests war man jedoch nicht wirklich zufrieden. Zu langsam und zu viele Rätsel gibt der Neue auf. Die Aerodynamik sei gut, nur der mechanische Grip, also in langsamen Kurven, macht noch Ärger.
Williams. Einen Titel hat der neue FW31 schon. Den des schönstes Formel 1 Wagens für 2009. Besonders die Entennase sticht hervor. Bei Testfahrten war Nico Rosberg auch schon ganz flott unterwegs. Jedenfalls teilweise schneller als die McLaren, was den 23-Jährigen Deutschen zweifellos freute. Doch Testfahrten sind eine Sache, die Realität eine Andere. Einen Eigenen Weg gehen die Engländer auch beim Thema KERS. Als einziges Team wird hier mit einer Schwungrad-Lösung gearbeitet.
Toyota. Die Japaner bzw. Kölner stehen mächtig unter Druck. Dieses Jahr muss wirklich etwas passieren. Der TF109 muss den ersten Sieg einfahren oder zumindest regelmäßig vorne mitfahren, sonst könnte es nicht mehr lange dauern bis es Honda gleich gemacht wird. Markant ist die kurze und hohe Nase des TF109. Sogar die Stelzen zum Frontflügel ragen über die Nase hinaus. Das KERS-System wird wahrscheinlich noch nicht eingesetzt. Obwohl Toyota speziell in dieses Disziplin Vorreiter sein sollte.
Redbull. Sehr lange hat sich Adrian Newey für den RB5 Zeit gelassen. Als Letztes der potentiellen Teams wurde Sebastian Vettels Renner vorgestellt. Ob sich die längere Entwicklungszeit auszahlt wird sich zeigen. Das Design wirkt jedenfalls recht Außergewöhnlich. Für Überraschungen dürfte diese Kombination jedoch gut sein.
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