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Essen Motor Show 2009

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Trotz krisengeplagtem Herstellermangel, ist die Motor Show Essen immer noch die wichtigste und größte Tuning-Show für alle Vollgasjunkies.

„Wir haben in den ersten 2 Gängen die Leistung reduziert, ansonsten kommen Sie nicht von der Stelle“. Ein lautstarkes Lachen erfüllt den Stand von dbilas dynamic einem kleinen Tuner aus Rödermark der sich auf das Doping von Fahrzeugen aus dem Hause Opel spezialisiert hat. 320PS kitzelt die Truppe aus dem 1.6l Turbomotor. Nur knapp 5000,- Euro kostet der Umbau. Somit kann man sich schon für unter 30.000 Euro einen Corsa kaufen, der auf der Autobahn so manche Oberklasselimousine in Angst und Schrecken versetzen dürfte.

Der wild gewordene Straßenfloh ist freilich nur ein Beispiel von vielen real geworden PS-Träumen auf der Essen Motor Show. Autos-pur.de ist durch die Hallen spaziert und berichtet von der Messe des Leistungswahns.

Als Spezialist für Porschetuning hat man es nicht gerade leicht. Die Luft an der Spitze der Leistungsgesellschaft ist dünn. Speedart hat sich langsam aber beständig zum Gipfel hochgearbeitet. Inzwischen sind die Stuttgarter, deren Wirkungsstätte nur wenige km von den heiligen Hallen der Weissacher Entwicklungsabteilung entfernt liegt, eine bekannte und geschätzte Adresse in der Szene. Vom restaurierten 550 Spyder bis zum 750PS starken 911 im XXL Karbonlook bieten die Schwaben alles was das Herz begehrt. Sogar der neue  911 Turbo war bei Speedart schon im Trainingslager und bringt es nun auf stramme 580PS. Highlight am Stand ist aber ohne Zweifel der auf dem aktuellen Panamera basierende, mächtige PS9, über den wir erst vor kurzem ausführlich berichtet haben.

Wenn es um Opel Veredelung geht, steht Irmscher sicher ganz oben auf der Liste. Seit 41 Jahren nun, bereichern sie die Szene mit hochwertigen und gekonnten Umbauten. Wesentlich jünger ist der neue Opel Astra, der hier in Essen, in der Irmscher-Variante seine Premiere feiert. Im Programm sind beispielsweise ein Aerodynamik-Kit, Zweirohr-Nachschalldämpfer, 18 Zoll Räder und ein tolles Lederpaket für den Innenraum. Auch zum Thema Autogas hat Irmscher Lösungen parat.

Lotus hat nicht nur eine ruhmreiche Vergangenheit im Motorsport und im Sportwagenbereich. Auch heute nehmen Elise, Exige, Evora & Co. eine Sonderstellung ein. Wegweisend ist hier Collin Chapmans Leichtgewichtsphilosophie. Dies würdigt eine große Lotus-Ausstellung, bei der viele Sport- und Rennwagen aus allen Epochen dem Publikum gezeigt werden.

Bereits ab Werk ist der Ferrari California ein Traumauto wie es im Buche steht. Vielleicht ein wenig zu brav. Nach einem Besuch bei Hamann, sieht das schon wieder ganz anders aus. Jetzt zeigt er richtig Muskeln. Nicht nur optisch, sondern auch unter der Haube. Mittels neuer Auspuffanlage und einer Überarbeitung der Motorsteuerung kommen statt der serienmäßigen 460 PS nun kräftige 552 PS an die Hinterräder. Und die sind bei Hamann groß und breit geraten. 345/25 messen die gewichtsreduzierten 21 Zoll Räder. Vorne sind es 245/30. Ebenfalls beeindruckend ist der Innenraum, der von der kleinen Zierleiste bis zum kompletten Umbau alles bietet.

Senner Tuning zeigt auf der Motor Show sein neuestes Werk, den Nissan 370Z. Optisch sehr gelungen mit feinsten Zutaten gespickt. Schöne 20 Zoll Räder von Barracuda, eine Tieferlegung bis zu 50mm und die Spurverbreiterung hinterlassen einen stämmigen Eindruck. Dem Fahrverhalten sollte dies nicht schaden. Die geänderte Auspuffanlage bringt zu den 331 PS noch einmal zusätzliche 21 PS incl. Sportluftfilter.

Leistung kann man nie genug haben. Mit diesem Motto findet man auch am Stand von Wolf Tuning Gehör. Dort weckt vor allem der frisierte Ford Focus RS unser Interesse. Irgendwo zwischen Dorfdisco und Nordschleife findet sich dieser in England entwickelte Heißsporn praktisch immer ganz oben am Wunschzettel. Für nur 1299,- Euro kann man den Kompaktsportler von 306 auf 360 PS bringen. Da muss man an der Ampel keine Gegner mehr fürchten. Oder vielleicht doch…….? Wie viel Drehmoment packt eigentlich so ein Fronttriebler ohne den Gummi von der Reifenkarkasse zu brennen? Naja ist ja auch nicht wichtig, Jedenfalls gibt es bei kaum einen Auto mehr Power fürs Geld.

Bei 360PS fängt ein Herr Fatthauer allerdings erst an. 9ff ist der Spezialist für die besonderen Fälle. Ihr Porsche wirkt oberhalb von 300 km/h zugeschnürt und verliert die Lust am zügigen Vortrieb? Sie fühlen sich mit ihrem auf 700PS getunten 911 Turbo untermotorisiert? Ihnen kann geholfen werden. Erst bei 414 km/h ist Schluss in Dortmund. Der 1120PS starke GT9-R ist der schnellste getunte Porsche für die Straße. Wem das übertrieben erscheint, kann sich auch einen offenen 911er im Speedster Look gönnen. Die Leistung erscheint mit „nur“ 650PS vergleichsweise moderat. Ohne Frage: 9ff gehört zu den besonderen Traumfabriken unter den Porschetunern.

Aber es muss ja nicht unbedingt ein Auto mit einem Pferd im Wappen sein. Die dunkle Seite der Macht heißt C9 Blackforce One. Loma Performance, der Neuling aus Denkendorf betritt die Tuningbühne mit einem Paukenschlag. Matt lackiert, verbreitert, und knapp 800PS stark. Wer die brachial anmutende Corvette auf der Straße pilotieren möchte muss ca. 190.000 Euro auf der Kante haben. Dafür gibt’s neben einem grundlegend modifizierten V8 mit Biturboaufladung auch ein aufwendiges Gewindefahrwerk mit Karbonbremsanlage. Bei solchen technischen Leckerbissen kann dem Autokenner durchaus das Wasser im Mund zusammenlaufen.

Aber neben hochaufgeladener Feinschmeckerkost bietet die  Essen Motor Show auch Hausmannsware mit entsprechend Pfeffer. Am Skoda Stand ist ein aufgehübschter  Octavia RS Concept zu sehen der mittels Flap, Spoiler und Alufelgen um Aufmerksamkeit buhlt. Im Innenraum erwarten den Interessenten Schalensitze vorne inkl. zweifarbiger Lederausstattung. Alles ganz nett, wir hätten allerdings bei derartig viel Show auch ein modifiziertes Fahrwerk und etwas mehr Leistung erwartet. Aber Concept bedeutet ja bekanntlich Studie. Eine Serienfertigung steht noch nicht fest. Kann die Marke Skoda denn so viel Sportlichkeit vertragen?

Direkt gegenüber bei Abarth und Alfa dürften solche Gedanken kaum aufkommen. Der Abarth 500 sieht nicht nur gut aus und hat Biss, der kleine Skorpion erfreut sich auch reger Nachfrage. In Anbetracht der guten Resonanz dürfen wir uns schon bald auf einen offenen Abarth 500 CC freuen. So ein schmuckes Gefährt wäre sicher die ideale Ergänzung zum atemberaubenden 8C Spider, der am benachbarten Alfa Stand die Blicke auf sich zieht. Ob offen oder geschlossen, der Wagen ist in jedem Kleid eine Naturschönheit.

In dieser Beziehung wird der knallgelbe Nissan GT-R vom Autohaus Brömmler vielleicht nicht so uneingeschränkten Zuspruch finden. Der japanische Kampfbomber sorgt auch gut 1 Jahr nach seiner Premiere in Europa für erhitzte Gemüter im Land der schnellen Heckmotoren. Besonders in der hier gezeigten Ausführung mit 550PS unter der Haube, KW-Gewindefahrwerk und Klappenauspuff ist der „Skyline“ mehr denn je eine Alternative zu den bereits bekannten Bodenraketen. Auch digi-tec aus München nimmt sich doppelt aufgeladenen V6 zur Brust.

Es soll ja Leute geben, denen selbst ein so durchtrainierter Samurai wie der GT-R noch zu langweilig ist. Für die gibt es in Essen aber auch Abhilfe. Der Wahnsinn auf Rädern hört auf den Namen Larea GT1 von m-racing. Der puristische Supersportler ist in 3 Leistungsstufen erhältlich. Bereits die Einstiegsvariante bringt es mit 550PS bei weniger als 1000kg auf ein Leistungsgewicht von unter 2kg/PS. Das Topmodell S9 soll dank V8 Biturbo mit 850PS in 6,5s von 0-200 beschleunigen und 392 km/h Höchstgeschwindigkeit erreichen. Autos-pur.de wird über den neuen mindestens 169.000 Euro teuren Supersportler aus deutschem Haus bald gesondert berichten.

Wer bei dem charakteristischen Bollern eines V8 Schmetterlinge in Bauch und Ohren empfindet der muss aber nicht unbedingt so viel Geld ausgeben. Der CAV GT erfreut bereits für 105.000 Euro das Herz seines Besitzers. Der in Südafrika gefertigte Flachmann ist ein weitgehend originalgetreuer Nachbau des legendären GT40. Als einziger Hersteller besitzt CAV eine Lizenz für die klassisch historische Gulf-Lackierung mit der Ford seinerzeit in Le-Mans 3 Siege in Folge einfuhr. Eine Platzprobe lässt den Funken des historischen Vorbildes sofort überspringen. So flach kauert man in keinem anderen Auto über die Straße. Es gibt sicher schnellere Sportwagen als den CAV GT, aber niemand bietet  eine so geballte Ladung rennsportliches Flair.

GT2 Speed nennt Wimmer sein neuestes Werk auf Basis des Porsche GT2. Der Name ist Programm. Denn die Leistungsdaten lassen auf extreme Werte schließen. Der Motor wurde umfangreich bearbeitet und leistet jetzt sagenhafte 827 PS und 948 Nm. Auf 300 km/h benötigt Wimmers Kraftpaket lediglich 20,2 Sekunden. Je nach Übersetzung sollen bis 378 km/h drin sein. Der Neupreis des GT2 Speed liegt bei 281.000 Euro. Ebenso auf der Motor Show war ein Ferrari F430 Spyder zu bestaunen. Mit 528 PS und 321 km/h Topspeed toppt er das Serienfahrzeug allemal. An Bord ist auch ein hydraulisches Liftsystem, dass die Nase bis zu 45mm anhebt.

Sie bevorzugen viel lieber die komfortable gediegene Gangart, wollen aber auf Leistung nicht verzichten? Willkommen bei Brabus. Auch in Essen gibt die Truppe aus Bottrop ihr Können zum Besten. Der 800PS starke „One of ten“ erhält einen kleinen Bruder. Mit 555 PS und 320 km/h Topspeed dürfte der inkl. Aerodynamikpaket 172.000,- Euro teure B63 S so schnell sein wie der neue SLS AMG. Selbstverständlich mit 3-Jahres Garantie. Da kann nicht einmal die Serie mithalten.

Brabus Tochter Startech konzentriert sich seit einiger Zeit auf die englischen Nobelmarken Jaguar und Range Rover. Das bisherige Kerngeschäft Chrysler gerät etwas ins Hintertreffen, da die Nachfrage stark zurück gegangen ist. Für die Range Rover Modelle bietet Startech ein dezentes, aber wirkungsvolles Aerodynamik-Kit an. 22 Zoll Räder mit 295/35er Reifen und in die Heckschürze integrierten Doppelauspuffendrohre, werden den bis zu 510 Serien-PS schon mehr gerecht als das eher dezente Erscheinungsbild von Hause aus. Für den Innenraum gibt’s natürlich jede Menge Verschönerungsmaßnamen.

Etwas extrovertierter geht es da beim Schweizer Tuner Fab zur Sache. Obwohl die Produktion des SLR inzwischen endgültig eingestellt wurde ist der Supersportler weiterhin ein gefragter Gast auf den Boulevards dieser Welt. Der FAB SLR Desire ist sicher nichts für Menschen mit kleinem Selbstbewusstsein. Zur Not kann sich der Besitzer allerdings mit 750PS aus dem Staub machen. Fast 340 km/h soll das Flügeltier laufen können, wenn es bei dieser Geschwindigkeit nicht schon längst abgehoben ist.

Ganz so wild geht es bei Brabham nicht zu. Der Tuner mit dem klangvollen, ruhmreichen Namen sorgt nun endlich auch in Deutschland mit einem 450PS starken BT 92  für Furore. Der mit Karbonteilen veredelte M3 macht optisch einen überaus hochwertigen, schlüssigen Eindruck. Das Auto wirkt wie aus einem Guss. In Gedanken lassen wir den hochdrehenden V8 röhren.

Aber auch der aus M5 und M6 bekannte V10 lässt die Herzen bekanntlich höher schlagen. Manhart dopt den 5l Motor auf 560PS und verpflanzt ihn in einen unauffälligen 3er Kombi. Der Traum eines jeden Familienvaters.

Vom Understatement zurück zu den Autos mit dem großen Auftritt, wie dem R8 von Prior Design. Wer Eindruck schinden möchte ist beim NRW-Tuning-Center genau an der richtigen Adresse. Der Supersportwagen aus Ingolstadt erhält neben diversen Luftein- und auslässen auch einen Powerdome inkl. Carboninlet. Nicht ganz so martialisch aber eleganter tritt der Rieger R8 auf. Spoilerlippe und Seitenschweller fügen sich passend in das Styling der Außenhaut ein.

Design ist in bei der Essen Motor-Show auch auf der Sportwagenmeile ein Thema. Der Haute Couture des Automobilbaus ist eine gewisse Faszination nicht abzusprechen. Aber nicht nur Fiovaranti, Giugario oder Sbarro können ungewöhnliche Fahrzeuge bauen auch der offene Einsitzer von Veritas sorgt für Staunen und Kopfschütteln. Egal ob man den brachialen RS III schön findet oder nicht. Auffällig ist das Geschoss in jedem Fall.

Vermutlich wird man mit dem „Cabrio“ sogar mehr Blicke ernten als mit dem Pretiosen am Dream Car Boulevard. Dort lautet das Thema in diesem Jahr „Ferrari“. Neben dem wunderbar schlicht elegant wirkenden 166 Inter GT von 1950 findet sich auch ein nicht minder beeindruckender 250 GT SWB und der Held der 80er: Der F40. Der sprichwörtliche Urknall des modernen Zeitalters der Supersportwagen.

Gerne würden wir den Held unserer Kindheit auch in der Motorsport-Arena sehen. Die dort gebotene Action ist vor allem was für Ohr, besonders wenn ein großvolumiger V8 zum Tanz bittet. Unter atemberaubendem Muscle-Car Sound jagt ein umgebauter M5 von einer Pylone zur anderen. Natürlich ständig quer und mit hauchdünnem Abstand zur Streckenbegrenzung. Auch Corvette, Audi V8 und Nissan 200SX geben sich die Ehre. Ein derartiges Spektakel gibt es sonst auf keiner anderen Messe zu bestaunen. Die Essen Motor-Show bietet nicht nur glanzpolierten Lack sondern auch jede Menge Reifenquietschen und Benzingeruch.

Genau das Richtige für den wahren Freak.

 

Text: Martin Englmeier / Dirk Schmied

Bilder: Dirk Schmied

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