Autos-pur.de Redakteure auf der Suche nach den Supercars.
Blue Motion, Blue Efficiency, Bluetec……..vergessen wir einfach mal die mehr oder minder blauäugigen Bemühungen der Autohersteller uns Umweltfreundlichkeit zu suggerieren und konzentrieren uns auf das wirklich Interessante: Emotion. Autos-pur.de hat die IAA mit Herz betrachtet und die Vernunft hier und da außen vor gelassen.
Wir starten bei dem Erfinder des Automobils: Mercedes-Benz. Gleich gegenüber den freundlichen Empfangsdamen mit den kalten Getränken gibt es einen 900.000 Euro schweren SLR Stirling Moss zu sehen mitsamt seinem historischen Vorbild. Nur interessiert der Tempoprotz nicht die Bohne. Trotz der gigantischen Leistungsdaten ist der Wagen ein Auslaufmodell, der wirkliche Star betritt im großen Forum gerade die Bühne.
SLS AMG. Endlich wieder ein echter Sportwagen von Mercedes-Benz. Vorbei die Zeiten von SLR und Black Series. Die schärfsten Sterne waren in der Vergangenheit immer enorm leistungsstark aber doch kompromissbehaftet mit Ausnahme des LeMans Renners CLK-GTR. Meistens waren die Autos zu schwer, zu unausgewogen und überhaupt: Eine 5-Gang Wandlerautomatik hat in einem Sportwagen eh nichts verloren. Vorbei.
Der SLS schlägt ein neues Kapitel auf. Bullig, kompakt, stolz steht er da. Etwas Retro sicher, trotzdem ist der neue ultimative AMG nicht nur eine aufgewärmte Neuinterpretation des Themas 300SL Flügeltürer. Der SLS steht in der Ahnengalerie des großen Vorbildes, dessen direkter Nachfolger ist er aber nicht. Aus welchem Blickwinkel man es auch betrachtet, das Design des Wagens ist stimmig, die Proportionen passen. Auch innen. An Ergonomie und Design gibt es ebenso wenig auszusetzten wie an Materialauswahl und Haptik. Vermutlich wird sich der eine oder andere SLR Kunde ärgern warum man im billigeren SLS mit Echtmetall so verschwenderisch umgeht.
Die Technik spricht für sich. 6,2l V8 Motor mit 7500 U/min Drehzahllimit. Keine Aufladung, 650 NM, 571PS und ein Gewicht von nur 202kg. Dazu Trockensumpf und ein Transaxle 7-Gang Getriebe mit Doppelkupplung und eigener Wasserkühlung. Der Motor sitzt extrem tief und weit hinten, die Gewichtsverteilung liegt bei 47:53. Dank eines intelligenten Materialmix mit nur 4% Stahlanteil wiegt der SLS 1620kg. Damit kommt er auf das Leistungsgewicht eines Ferrari 599 GTB. Als i-Tüpfelchen serviert AMG dem Kunden noch ein höchst aufwendiges Fahrwerk welches vom erfolgreichsten Tourenwagenfahrer aller Zeiten, Bernd Schneider, abgestimmt wurde. Da schnalzt der Kenner mit der Zunge und der Laie wundert sich. Unser Fazit daher zum SLS: Deutschland hat einen neuen Traumwagen.
Aber andere Mütter haben auch schöne Töchter, so z.b. Audi, auf deren Stand der neue R8 Spyder um Aufmerksamkeit buhlt. Die Ingolstädter platzieren sich damit endgültig auch im Olymp der offenen Sportwagen, mit 156.400 Euro für den V10 preislich allerdings verdächtig nahe am Konzernpartner Lamborghini. Aber wer will eigentlich noch den flachen Italiener wo doch der R8 Spyder bestimmt alles ebenso gut kann? Der famose V10 sitzt dort schließlich auch im Heck und optisch macht der Audi genauso was her. Flach und geduckt steht er da mit aggressivem Blick. Das Verdeck verbirgt sich unter einem dezenten Höcker. Trotzdem präsentiert sich der Innenraum komfortabel und gediegen mit Liebe zum Detail. So sitzen z.b. die Mikrofone für die Freisprecheinrichtung im Gurt. In Anbetracht des lautstark röhrenden V10 kein sinnloses Detail.
Derartige Sorgen plagen den Fahrer eines „E-Tron“ nicht. Wie alle Elektromobile dürfte auch der unter Strom stehende R8 vollkommen lautlos beschleunigen. Dem Kenner offenbart sich am Heck der Studie ein Vorgeschmack auf kommende Audi Modelle. Die Bayern zeigen offensichtlich etwas mehr Kante in Zukunft.
Vom batteriebetriebenen Supersportler bewegen wir uns geradeaus mit einem kurzen Zwischenstopp bei Seat Richtung VW. Die Spanier haben einen sportlichen Geheimtipp versteckt. Für unter 30.000 Euro bietet der Leon Cupra R soviel Leistung wie der ungleich teurere Konzernbruder Audi S3. Günstiger kann man 4 Personen kaum in gut 6s von 0 auf 100 bringen.
Bei VW dominieren die Töne Weiss und Blau. Eine freundliche Marketingexpertin erklärt uns, dies wären die Farben des Himmels, sie stünden für Klarheit und Reinheit. Aha. Wesentlich schlauer als zuvor nehmen wir den 270 PS starken Golf R mit Allrad unter die Lupe und stellen fest, daß VW in Sachen Qualität und Design wieder einmal Maßstäbe gesetzt hat. Wenn sich der stärkste Golf aller Zeiten so gut fährt wie er aussieht wird die Konkurrenz wenig zu lachen haben. Während wir unseren Blick noch über den ebenfalls ansprechenden Scirocco R streifen verlassen wir das bürgerliche Lager Richtung Traumfabriken.
Bentley präsentiert der Öffentlichkeit den neuen Mulsanne. Zur Freude der gusseisernen Fangemeinde sitzt unter dem schweren Boliden immer noch der alte 6,75l V8 wenn auch in stark modifizierter Form. Variable Ventilsteuerung, Zylinderabschaltung, 8-Gang Automatik. So gerüstet kann der weit über 2 Tonnen schwere Cruiser in 4,9s von 0-100 sprinten. Ein hochranginger Techniker versichert uns, der Mulsanne wäre ein klassischer Bentley der wie die großen Vorbilder auf einer gewaltigen Drehmomentwelle dahingleitet. 1020 Nm bereits bei 1800 U/min sprechen für sich. Auch das wuchtige Design lässt keinen Zweifel an der Herkunft des Wagens. Der Innenraum mit dem mächtigen Holzfurnier erinnert umgehend an vergangene Modelle aus Crewe. Die konservative Kundschaft dürfte sich in dem Luxuslinern der, wie man uns mitteilt „clearly above S-Class und 7 series“ platziert ist, durchaus wohl fühlen. Allein an den Schaltern in der Mittelkonsole lässt sich die Konzernherkunft erahnen.
Derartige Verbindungen haben bislang dem Verkauf der Marke Bentley nicht geschadet. Der Continental GT war ein grandioser Erfolg. Auf dessen Basis findet sich am Stand neben der neuer Limousine noch ein aggressiv in steingrau gemalter Supersport mit Schalensitzen und 630PS. Noch nie hatte ein Bentley soviel Leistung. Da kann selbst der teutonische SL 65 AMG nicht mehr mithalten.
Aber das ist natürlich noch längst nicht das Ende der Fahnenstange im VW Konzern. Auch nicht beim Preis. Unglaubliche 1,1 Millionen netto ruft Lamborghini für den auf 15 Stück limitierten 670 PS starken Murcielago Reventon Roadster auf. Die auf dem Showstand präsenten Damen gibt es leider nicht dazu. Aber mit dem neuen Flaggschiff aus Sant’Agata Bolognese dürfte man vermutlich trotzdem nicht lange ohne Begleitung sein. Kaum ein Auto erweckt soviel Aufmerksamkeit. Mehr Aggressivität und Brutalität geht nicht.
Sie haben kein eigenes Ölfeld? Die Wirtschaftskrise hat ihre Milliarden vernichtet? Kein Problem. Schon für 350.000 Euro gibt es den ebenfalls limitierten, kaum weniger auffälligen Murcielago SV mit dem gleichen Triebsatz. Der große Lamborghini ist einer der letzten wilden Bestien die es zu zähmen gilt. Ohne ESP aber mit gigantischem Heckspoiler stiehlt der legitime Nachfolger von Diablo und Countach seinem kleinem Bruder Gallardo LP 560 Spyder locker die Show. Obwohl der eigentlich alles ebenso gut kann plus elektrischem Verdeck und Fahrhilfen. Der offene „kleine“ Lambo ist für all diejenigen ideal die einfach ein extrem schnelles, offenes und sehr lautes Auto haben wollen und denen ein R8 vielleicht doch zu wenig speziell ist.
Nach dem wir nun anhaltend lange vor uns hin geträumt haben verlassen wir den VW Konzern und begeben uns ein Stockwerk höher. In der Halle 3.1 findet sich vorwiegend erschwingliche aber nicht minder begehrenswerte Kost. Der MX-5 Superlight sticht uns sofort ins Auge. Jeder der den kleinen englischen Roadster aus Japan schon mal unter dem Hintern hatte kriegt bei dem Anblick der Hardcoreversion glänzende Augen. Kein Dach, keine Klima, kein Radio, nur nacktes Blech. Eine kurze Sitzprobe offenbart sofort das typische Gefühl der Straße ganz nah zu sein. Angeblich soll der Miata in superleicht einen Ausblick auf den Nachfolger der Driftschleuder bieten. Mit Verwunderung stellen wir fest, daß die Studie mit 995 kg mehr wiegt als der erste MX NA. Der hatte allerdings neben einem Verdeck auch Türen und elektrische Fensterheber.
Gewicht ist auch beim Clio Sport ein Thema der auf dem Renault Stand neben einer Unmenge an putzigen Elektroautos mithilfe eines Videospiels um Aufmerksamkeit kämpft. Mit 201 PS aus einem 2.0l Sauger und 7500 U/min Drehzahllimit spielt der kleine Franzose im Kleinwagensegment ganz vorne mit. Als Cup ohne Klima und Radio kostet der Giftzwerg nur 19.900 Euro. Eine billigere Pistensau ist weit und breit nichts zu sehen. Selbst der stärkere Megane R mit 250 aufgeladenen PS verblasst in Anbetracht von soviel motorsportaffinem Enthusiasmus. Auch er dürfte neben anderen mindestens doppelt so teuren Flitzern gegen den Clio Cup auf der Rennstrecke den kürzeren ziehen.
Der kleine Franzose ist so scharf, am liebsten würden wir gleich den mächtigen Ford Focus RS am Nebenstand herausfordern. Wer möglichst viel Leistung in einem Kompaktwagen möchte ist hier genau richtig. 300 PS wüten an der Vorderachse mitsamt Sperrdifferential und spezieller, patentierte Vorderachse. Auch hier hält sich der finanzielle Aufwand in Grenzen. 34.000 Euro sind sicher nicht zu viel für soviel Längsdynamik. Da kann man auch über den optischen Grenzwert diverser Anbauteile hinwegsehen. Wer soviel unter der Haube hat, darf auch zeigen was er hat. Schade nur, daß Ford ansonsten außer C-Max und „Kinetic Design“ wenig emotionales zu bieten hat. Immerhin vernehmen wir Gerüchte über einen Capri Nachfolger. Das wäre doch mal was.
Mit der Brot und Butterware ist jetzt mal wieder Schluss. Gehen wir an den nächsten Ort der unerschwinglichen Dynamikwunder. Halle 5. Dort sind die besonders seltenen und edlen Stücke versammelt. Porsche, Brabus, Jaguar, Wiesmann, Tesla und Melkus.
Ganz genau. Der Ferrari des Ostens ist wieder da und schärfer als je zuvor. Nach der grandiosen Neuauflage des RS 1000 präsentieren uns Sepp und Peter Melkus die moderne Neuinterpretation des Klassikers, den RS 2000. Obwohl auf einem Lotus Chassis basierend ist die Verwechslungsgefahr mit der englischen Basis sehr gering. Besonders von vorne ist der Wagen unverkennbar als Nachfolger des legendären Zweitaktflitzers zu identifizieren. Auch die Flügeltüren sind dem historischem Ahnen entliehen, am Heck trägt der RS 2000 4 statt 2 runde Leuchten.
Wer sich in dem Wagen niederlässt der stellt schnell weitere Ähnlichkeiten fest. Genauso wie im alten Renner besteigt man den Innenraum über eine kleine Schwelle. Die Sitzposition ist extrem tief, der Schalthebel rückt sehr nahe ans Knie. Die Platzverhältnisse sind knapp aber ausreichend und die Verarbeitung präsentiert sich inklusive der komfortablen Schalensitze als überraschend hochwertig. Selbst für 2 Kästen Bier findet sich im Heck des Wagens Platz. Damit ist der RS 2000 in jedem Fall alltagstauglicher als der Urahn.
Trotzdem liegt nach Tradition des Hauses der Fokus in erster Linie auf den Motorsport. Die flache Flunder fühlt sich vorwiegend auf der Rennstrecke wohl. 270 PS aus einem Toyota Vierzylinder mit Schraubenkompressor und luftgekühltem Ladeluftkühler bewegen nur 950 kg. Das entspricht einem explosiven Leistungsgewicht von 3,5kg/PS. Das klingt alles sehr vielsprechend. Wir freuen uns jedenfalls auf einen Ausflug mit dem gut 100.000 Euro teuren Mittelmotorrenner.
Nicht weit weg vom Melkus Stand findet sich eine weitere zeitgenössische Interpretation des Themas Sportwagen auf Lotus Basis. Der Tesla Roadster S. Nur wenige Autos haben in letzter Zeit soviele Schlagzeilen gesammelt wie der kalifornische Elektrosportler. Was bei den Großserienherstellern gerade als Studie im Blitzlichtgewitter steht summt hier bereits seit mittlerweile 2 Jahren auf öffentlichen Straßen. Der kleine lautlose Roadster mit der Beschleunigung eines Motorrads ist nun auch in Deutschland für einen Grundpreis von gut 110.000 Euro zu haben. Von außen ist nichts Ungewöhnliches zu sehen, erst das offene Chassis offenbart aus welchem Holz der Wagen geschnitzt ist.
Der große Kasten mit den vielen Batteriezellen ist ein zweifelsohne höchst ungewohnter Anblick. Es gibt kein Differential mehr, keinen Ölkühler und schon gar keinen Motorblock. Wir fragen uns bei dem Studium des Rohbaus welche Straßenlage der Tesla wohl haben muss und wie der gänzlich elektrische Antrieb mit einem Gang wohl auf Lastwechsel reagiert? Überhaupt wie fährt sich sowas? Wir hoffen, alsbald mal ein Exemplar testen zu dürfen.
Gleich neben den Amerikanern steht der schnellste aller Elektrosportwagen bereits in modifizierter Form bei Brabus. Der Space Generator im Heck imitiert den Klang eines konventionellen Verbrennungsmotors. Im Leerlauf erfüllt ein satter Bass den Innenraum der beinahe über die gesamte Halle zu hören ist. Wer auf das elektrische Gas tritt erlebt die perfekte Illusion eines hochdrehenden Benziners. Der Motor des Roadster S findet sich sogar in abgewandelter Form im Smart High Voltage wieder. Mit 280 Nm im Smart erfährt das Thema Stadtmobilität eine ganz neue Begehrlichkeit.
Diesbezüglich ist man aber am Brabus Stand sowieso an der richtigen Adresse. In Bottrop wird in Sachen Leistung nicht gekleckert sondern geklotzt. Die Krönung allen Wahnsinns heißt E-Klasse „One of ten“. Mit Heckspoiler und verkleideten Bugrädern schieben unfassbare 800 PS in 23,9s von 0-300. Die viersitzige Limousine beschleunigt so schnell wie der legendäre Mclaren F1. Da erscheinen selbst die knapp 600.000 Euro nicht mehr so teuer.
Wer sich mit der provokanten Optik nicht anfreunden kann dem bleibt immer noch die zivile Variante mit 750 PS oder aber der ebenso starke C-Klasse Bullit für schlappe 450.000 Euro. Ähnliches ist auch für das 700 PS starke G-Modell zu berappen. Macht soviel Leistung noch Sinn? Nein. Aber als Liebhaber der benzingetränkten Fortbewegung kriegt man auf so einem Stand schnell Schmetterlinge im Bauch. Nirgends gibt es soviel Leistung und Komfort gleichzeitig wie bei Bodo Buschmann. Im Automobilbau steht kaum ein anderer Name so prägnant für Understatement wie Brabus.
Mehr Sein als Schein. Dieses Statement trifft ohne Zweifel auch auf Wiesmann zu. Der kleine aber äußerst feine Hersteller hat sich inzwischen auf der Sportwagenbühne etabliert. Dieses Jahr steht ein besonderes Schmankerl parat. Zum ersten Mal in der Geschichte der IAA wird ein Auto vor Ort am Stand montiert. Der Rohbau gewährt neben interessanten Einblicken auch die Feststellung, daß kaum eine andere Manufaktur sein Qualitätsniveau in den letzten Jahren so steigern konnte wie Wiesmann. Ein Eindruck der sich auch im Innenraum der ausgestellten Modelle wiederspiegelt.
Alles passt und hat kaum Luft. Ein Wiesmann sitzt wie ein Maßanzug. Besonders der MF5 sowohl als Coupe als auch als Roadster hat es uns angetan. In dem kompakten Speedcar findet der famose 5.0l V10 von BMW endlich die Umgebung die zu ihm passt. 507 PS, 8250 U/min Höchstdrehzahl, ein sequentielles Getriebe mit 7-Gängen und nur 1395kg lassen eine Orgie aus kreischendem Klangorchester und pupillenerweiternder Beschleunigung erwarten. Wir können uns nicht zwischen dem offenen Roadster und dem geschlossenen GT entscheiden, werfen unseren Blick daher auf den nicht minder reizvollen MF4-S in mattgrau.
420 PS aus 8300U/Min treffen auf 1310 kg. Auch hier verweilen wir andächtig und bewundernd vor dem flachen Roadster. Es ist nicht wirklich verwunderlich, daß Wiesmann floriert während viele englische Hersteller wie TVR und Marcos das die Segel streichen mussten. Die Qualität der Produkte spricht für sich und ihr Faszinationsgrad ebenso. Mehr denn je sind die kleinen individuellen Renner aus dem beschaulichen Dülmen eine Alternative zu den bekannten Platzhirschen im Sportwagensegment.
Apropos Sport. Was macht eigentlich Porsche? Trotz aller negativer Schlagzeilen und Personalrochaden sind die Zuffenhausener weiterhin das Synonym für deutschen Sportwagenbau. Gerade auf der IAA kriegt man den Eindruck, als würde sich die Marke mit dem springenden Pferd umso mehr auf seine ursprünglichen Kompetenzen konzentrieren. So z.B. beim neuen 911 Turbo, seit jeher der Maßstab im Segment alltagstauglicher Hochleistungssportler. Mit Wohlwollen stellen wir fest, daß die neuen optionalen Schaltpaddels mit dem Skelettlenkrad vorzüglich in der Hand liegen. Warum nicht gleich so? Hoffentlich beglücken uns die Schwaben mit diesem Extra auch in allen anderen Porsche Modellen.
Bis auf den GT3 RS natürlich. 450 PS, 8500 U/min Maximaldrehzahl und ein Heckspoiler so hoch wie ein Wolkenkratzer. Er ist und bleibt die letzte Bastion für die Fetischisten der unverfälschten Ideallinie. Wer braucht eigentlich Klimaanlage, Radio oder gar Türöffner? Selbst darauf kann der verrückteste aller Elfer verzichten. Alles ist dem Erreichen einer möglichst niedrigen Rundenzeit untergeordnet. Die gigantischen Anbauten und die spärlich profilierten Semislicks demonstrieren die Entschlossenheit des RS alles und jedem zu zeigen wo der Hammer hängt.
Irrgeleuchtet von der Ausstrahlung des Meisterwerks aus Weissach träumen wir davon über die Nordschleife des Nürburgrings zu driften bevor wir durch den Rempler eines Fotografen wieder in die Realität zurückgeworfen werden. Dann wenden wir uns eben dem ebenfalls äußerst begehrenswertem 911 Sport Classic zu. Auf 250 Stück limitiert und natürlich schon ausverkauft für schlappe 201.000 Euro. Krise? Welche Krise? Der Heckbürzel über dem flachen Boxermotor erinnert im Duett mit den Fuchsfelgen an den berühmten Carrera RS 2.7, die Basisessenz aller sportlichen 11er. Auch das geflochtene Leder im Innenraum zitiert historische Vorbilder. Würden wir soviel Geld ausgeben für dieses Schmuckästchen selbst wenn wir es hätten?
Vermutlich nicht, aber wer interessiert sich eigentlich für unsere Meinung?
Vielleicht Ian Callum, den Designer des neuen XJ, schräg gegenüber am Stand von Jaguar. Um es gleich vorwegzunehmen: Wir sind restlos begeistert vom neuen Flaggschiff der Raubkatze. Markierte bereits der XF einen radikalen Wechsel in der Designsprache der englischen Traditionsmarke geht der neue XJ noch einen Schritt weiter. Der Wagen wirkt tatsächlich ähnlich revolutionär wie der Urahn aus den späten Sechzigern. Die Front mit dem autoritären Kühlergrill wirkt stolz und dominant zugleich. Die flachen Frontscheinwerfer führen das Auge zur flüssig und dynamisch gezeichneten Seitenpartie die dann in ein beinahe schwereloses aber dennoch erstaunlich präsentes Heck mündet. Es ist ein ungewohntes aber doch zweifelsohne erfrischendes Design, welches uns hier präsentiert wird. Eine willkommene Abwechslung zum Mode gewordenen Einheitsbrei der üblichen Limousinen in der Oberklasse.
Auch im Innenraum verschiebt der XJ die Proportionen. Es gibt keine plump gemalten Flächen. Das Arrangement aus Alu, Leder und Holz ist modern komponiert aber nicht effektheischend überfrachtet. Das kreisrund verlegte Holzfurnier verleiht dem Cockpit eine angenehme Leichtigkeit. Kurzum: ein Platz zum Entspannen, nicht nur dank der perfekten Ergonomie am Fahrerplatz und der ausgeprägt konturierten Sitze. Auch das Platzangebot lässt uns wohlwollend mit dem Kopf nicken. Nach einem starken Espresso in der dunklen Lounge verlassen wir die Bühne wieder, nicht ohne aber nochmal einen Blick auf den neuen Star geworfen zu haben. Laut Ian Callum vergisst man den XJ nicht mehr so schnell, wenn man ihn mal gesehen hat. Das können wir so unterschreiben.
Für Autos mit Avantgarde ist ja eigentlich eine andere Marke bekannt: Citroen
Auf dem Stand der Marke mit den 3 Bumerangen gibt es gleich 2 Studien. Den Citroen GT als real gewordenes Videospiel und den Revolte, die moderne Reinkarnation des 2CV, der legendären Ente. Viele unsere journalistischen Kollegen empfinden Begeisterung für den aggressiv gezeichneten Kompaktwagen mit durchgehender Rücksitzbank. Wir halten das Modell für interessant aber unrealistisch. Alltagsnäher präsentiert sich da schon eher der neue DS3. Nun springt also auch der PSA Konzern auf den Retrozug auf und präsentiert einen anglophil angehauchten Kleinwagen.
Egal aus welchem Blickwinkel man den süßen Kleinen mit seinem verspielten Dach und der lackierten Innenblende auch betrachtet, er ist einfach chic. Warum? Weil jede Ausstattungsvariante ebensolches Wort im Namen trägt. Die anvisierte Kundschaft ist klar. Mini und Fiat 500 Fahrerinnen sollen an dem Wagen Gefallen finden. Nettes Detail am Rande: Weil die Motoren noch einer Kooperation mit BMW entstammen wird der DS3 sogar von den gleichen Motoren angetrieben wie der Konkurrent aus Oxford. Da fällt der Umstieg doch nicht schwer.
Bei der Konzernschwester mit dem Löwen im Grill ist vor allem der RCZ als Blickfang zu identifizieren. Die französische Interpretation des Themas Sportcoupe erinnert mit seinem flachen Heck und der hohen Gürtellinie nicht umsonst an den ersten Audi TT. Auch im Innenraum finden sich Elemente aus dem germanischen Vorbild, so z.b. die mit Chromschmuck umrahmten Lüftungsdüsen oder die eigenwillig gezeichneten Armaturen. Der RCZ bietet auch einen erstaunlich großen Kofferraum. Wie er sich fährt wissen wir leider nach der Sitzprobe noch nicht. Die eng gestaffelte Motorenpalette mit Diesel und Benziner von 156 bis 200 PS macht jedoch ebenso wie der günstige Einstiegspreis von 26.450 Euro Lust auf mehr.
Wo wir schon bei sinnlichen Gefühlen sind. Die Italiener haben wir bis auf Lamborghini noch gar nicht besucht. Also schnell hin zur Halle 6 mit besonders viel „Amore“ Bei Lancia können wir trotz ausgiebiger Bemühungen bis auf den wohl besten Kaffee von ganz Frankfurt wenig Interessantes entdecken, sofern man seinen Beobachtungsfokus vorwiegend auf Autos legt.
Auch Fiat hält sich mit gewürzten Flitzern zurück und legt mehr Wert auf die volksnahe Motorisierung. Freunde der schnellen Fortbewegung müssen also zum sportlichen Ableger Abarth wandern wo sie auf die Wiederbelegung eines legendären Kürzels treffen: 695. Damals stand die Ziffer für den Hubraum des aufgebohrten Zweizylinders, heute ist es nur eine Zahl um auf die historische Relevanz des Wagens hinzuweisen, der sich mit vollen Namen Fiat Abarth 695 Tributo Ferrari nennt. Also ein Fiat und ein Abarth quasi, zwei in einem. Sei’s drum.
Hinter dem 180 PS starken Superfiat steht in erster Linie der Gedanke, Besitzern eines echten Ferrari eine adäquate Alternative für den Stadtverkehr zu bieten. Das Fußvolk muss sich um die wahrscheinlich auf 200 Stück limitierte Auflage zanken. Wir sind erstaunt über die Liebe zum Detail, die sich bei näherem Blick offenbart. So sitzt man nun auch in einem sportlichen Fiat angenehm tief in echten Schalensitzen und für die Gangwechsel steht wahrhaftig eine sequentielle 5-Gang Schaltung parat. Selbst ein Klappenauspuff ist an Bord. Na wenn das kein echter Ferrari Abarth ist?
Auf der Bühne neben dem Skorpion dürfte an der Herkunft der ausgestellten Pretiosen kein Zweifel mehr bestehen. Da stehen ausschließlich echte Rennpferde aus Maranello, allen voran der neue 458 Italia, für viele der heimliche Star der IAA. Die Scuderia hat mal wieder zugeschlagen, anders kann man es nicht ausdrücken. 570 PS aus 4,5l Hubraum, 8 Zylinder, 9000 U/min, 7-Gang Doppelkupplung. Von 0-100 in 3,4s, von 0-200 in 10,4s. Topspeed über 325 km/h. Da kann sich die gesamte Konkurrenz nur einmal in die Ecke zum Schämen stellen. Doch das ist noch nicht alles. Nur 32,5m braucht der Italia von 100 auf 0.
Am Frontgrill sitzen zum ersten Mal bei einem Straßenauto variable aerodynamische Finnen, die ihre Stellung an Drehzahl und Geschwindigkeit orientieren. Bei all dem High-Tech bleibt einem endgültig die Luft im Hals stecken, wenn man feststellt, daß der Wagen trocken nur 30 kg mehr wiegt als sein direkter Vorgänger. Was für ein Auto! Ferrari hat keine Schraube gleich gelassen, auch im Innenraum nicht. Dort wurden erstmals sämtliche Funktion von Blinker- und Scheibenwischerhebel ans Lenkrad gepackt. Der Pilot soll sich ganz aufs Fahren und Schalten konzentrieren können. Wir erfreuen uns an der ausgewogenen Ergonomie und der peniblen Verarbeitung.
Auch diesbezüglich brauchen die Italiener keinen Vergleich mehr zu scheuen. Das Exterieur des neuen Italia erinnert mit seiner kuppelartigen Fahrgastzelle spontan an den Enzo. Trotzdem wirkt die Mittelmotorflunder nicht plump aggressiv sondern beinahe harmonisch elegant und bei genauerem Hinsehen auch etwas avantgardistisch was in erster Linie den aerodynamischen Finessen des 458 geschuldet ist. Wir sind ohne Zweifel völlig begeistert vom neuen Meisterstück der Italiener und vergessen fast, daß der neue 599 HGTE ebenfalls zugegen ist. Die breiteren Reifen passen hervorragend zum dezenten Stil des großen Zwölfers und auch das mit Karbon verkleidete Cockpit findet sofort Anklang. Tja, Millionäre haben es nicht leicht, denn auch der offene California blinzelt verführerisch mit seinen LED Leuchten. Er ist eher der Ferrari für alle Tage, ein klassischer offener GT.
Ein Auto welches in die gleicher Kerbe schlägt findet sich auch am benachbarten Maserati Stand. Das neue GranCabrio wird dort der Öffentlichkeit präsentiert. Im Gegensatz zum California haben sich die Techniker hier für ein Stoffverdeck entschieden. Der offene Viersitzer offenbart erstaunlich großzügige Platzverhältnisse. Selbst auf den hinteren Plätzen lässt es sich bequem sitzen. Die technische Basis stammt vom geschlossenen Gran Turismo.S Automatik. Der Maserati für Sonnenanbeter glänzt auch mit einer innovativen Sicherheitsausstattung wie z.b. automatisch ausfahrenden Überbügeln hinter den Rücksitzen.
Der technisch verwandte Quattroporte S präsentiert sich neben dem neuesten Kunstwerk aus Modena selbst 5 Jahre nach seiner Weltpremiere erstaunlich frisch. Der Viertürer ist immer noch die schönste Luxuslimousine weit und breit. Wären wir ein Vorstand, wir würden uns ausschließlich in einem Quattroporte chauffieren lassen und beim Beschleunigen ab und zu das Fenster öffnen nur um dem unbeschreiblichen Klang des Achtzylinders lauschen zu können.
Das gleiche Aggregat sitzt auch im 8C Spider bei Alfa Romeo. Da wir die geschlossene Variante erst vor kurzem testen durften, wissen wir was die Glücklichen erwartet, wenn sie im offenen Alfa das V8 Konzert in Dolby Surround genießen dürfen. Der Spider wiegt nur 75 kg mehr als das Coupe unter anderem dank der neuen Keramikbremsen. Die Fahrwerksabstimmung soll sich etwas mehr Richtung Komfort orientieren. Der kleine Mito mit dem 8C Gesicht präsentiert sich bereits 1 Jahr nach Markteinführung mit einem neuen Motor. Als einer der ersten Modelle im Konzern erhält der Mito die Multiairtechnologie bei der die Steuerung der Einlassventile erstmals elektrohydraulisch ohne Nockenwelle erfolgt. Auch der Alfa Spider zeigt sich renoviert. Autos-pur wird den 1.8TB alsbald einem ausführlichen Test unterziehen.
Nach unserem langen Besuch in der italienischen Halle kommen wir einstimmig zu dem Ergebnis, daß der Fiat Konzern selten zuvor eine so attraktive Modellpalette vorweisen konnte. Die Wahrscheinlichkeit einer Fortsetzung der Erfolgsstory trauen wir den Turinern locker zu, auch wenn der Stand der neu erworbenen Marke Chrysler noch etwas blass aussieht.
Haben wir inzwischen alle wichtigen Marken durch? Da war doch noch was. Stimmt, wo ist eigentlich die Marke mit der Freude am Fahren. Die Münchener haben sich ganz am Ende der Ausstellung in Halle 11 verschanzt. In Anbetracht des gigantischen Aufwandes hier allerdings noch von einem ordinären Stand zu sprechen wäre untertrieben. Die BMW Halle ist ein Palast mit eigener Bahn auf der ein Modell nach dem anderen über den Köpfen der Besucher bewegt wird.
Zunächst aber muss der interessierte Fachmann an Rolls Royce und Mini vorbei. Stolz in Reihe stehend präsentiert sich die Modellpalette der englisch-deutschen Luxusmarke. Der neue Ghost auf BMW Siebener Basis macht auf einem eigenen Drehteller auf sich aufmerksam. Der direkte Konkurrent zum neuen Bentley Mulsanne ist unverkennbar ein Rolls und das nicht nur wegen des mächtigen Kühlergrills und der markanten Selbstmördertüren. Auch die Materialauswahl im Innenraum darf als absolute Creme de la Creme des Automobilbaus bezeichnet werden, genauso wie es sich eben für einen Wagen mit der prominenten Kühlerfigur gehört.
Auch unter der Haube ist mächtig was los. Während die Engländer in der Vergangenheit Fragen nach der Leistung mit einem freundlichen „ausreichend“ bezeichnet haben stehen heute stolz 570 PS und 780 Nm bei nur 1500 U/Min im Datenkatalog. Damit hat der Ghost mit V12 Biturbo mehr Leistung aber weniger Drehmoment als der altehrwürdige Bentley V8. Die Werksangabe für den Sprint von 0-100 liegt auch hier bei 4.9s. Wir glauben aber nicht, daß der Chauffeur dieses Leistungspotential ständig ausloten wird, schließlich möchte man die Lordschaft auf den Rücksitzen sicher und ohne Magenbeschwerden ans Ziel bringen.
Wer sich sportlich austoben will der findet das richtige Fortbewegungsmittel vielleicht eher gegenüber wo sich das neue Mini Coupe mit dem flachen Dach um Aufmerksamkeit bemüht neben dem offenen und ebenfalls betont mutig gestylten Mini Roadster. Will hier jemand vielleicht im MX-5 Revier wildern? Zum ersten Mal bemühen die Mini Marketingstrategen kein historisches Vorbild für einen neuen Ableger des gefragten Kleinwagens. Wir glauben, daß beide Autos eine sinnvolle Ergänzung für die Minipalette sind, allein beim geplanten SUV begleitet uns etwas Skepsis.
Die sportlichen Allzweck-PKWs sind natürlich auch am BMW Hauptstand ein Thema. Als einziger Hersteller offerieren die Bayern mit dem X6 einen SUV mit einem flach abfallenden Dach im Stil eines Avant. Zusammen mit dem nutzorientierten Bruder X5 sind die beiden Schwergewichte nun auch als M Variante zu haben mit einem 555 PS starken V8 Biturbo. Zum ersten Mal in der Geschichte der M GmbH präsentiert die kleine Edelschmiede also ein aufgeladenes Triebwerk. Befürchtungen der Fangemeinde der klangstarke Charakter der Vorgängermotoren ginge dadurch verloren zerstreuen die Techniker mit dem Hinweis auf ein besonders fein austariertes Sounddesign. Der neue Star im sportlichen Geländewagensegment schießt in nur 4,7s von 0-100 und in 16,9s von 0-200. An diesen Werten wird auch ein Cayenne turbo S zu knabbern haben.
Aber nicht jeder möchte mit so einem Schergewicht wirklich rasen. Viele fühlen sich auf Grund des hohen Nutzwertes zu einem SUV hingezogen. Genau für diese Klientel hat BMW nun eine weitere Alternative im Programm: Den 5er Gran Turismo. An der kreativ gezeichneten Mischung aus Coupe und Kombi scheinen auch Porschevorstand Michael Macht und Wolfang Porsche Gefallen zu finden. Anders jedenfalls ist die ausführliche Sitzprobe nicht zu interpretieren. Vermutlich sind die beiden zu dem gleichen Fazit gekommen wir.
Der 5er GT bietet ein erstaunliches Raumgefühl im Innenraum, besonders auf den Rücksitzen. Auch die Verarbeitungsqualität überzeugt ebenso wie die vielen Komfortextras mit den elektrisch verstellbaren Rücksitzen und der geteilten Heckklappe. Wir haben ein gutes Gefühl bei dem BMW Neuling der uns entfernt an den seligen Citroen CX erinnert. Überhaupt hätten wir so ein kreatives Konzept am ehesten noch den Franzosen zugetraut.
Während wir noch einmal durch das obere Forum schlendern erfüllt plötzlich ein gigantisches Brüllen die Luft. Was ist jetzt passiert? Ist jemand mit einer Harley mitten durch die Halle gefahren oder ist das ein Musclecar aus den 60ern? Alles falsch. Ein 507 dreht seine Runde mit Prinz Leopold am Steuer. Was für ein Klang!! Er brodelt, röhrt und bollert wie ein Verrückter dieser alte V8. Das Auto ist so laut, daß man sich fast die Ohren zuhalten muss. Warum können heutzutage nur noch ganz wenige Autos so klingen? Wer will eigentlich diese ganzen lautlosen Elektrosportler? Ist die Zeit der lauthals röhrenden Sportwagen wirklich zu Ende?
Wir verdrängen diesen schlimmen Gedanken und bewegen uns wieder Richtung Ausgang. Haben wir nicht einen wichtigen Stand vergessen? Haben wir alles Wichtige wirklich gesehen? Während ich vor der Halle 3.1. noch einmal den MX-5 Superlight in Erinnerung rufe kommt mir der Name Lotus wieder in den Kopf. Also nichts wie hin und einmal im Lotus Evora Platz genommen.
Der lang angekündigte und endlich serienreife Mittelmotorsportler soll vor allem Revier der Cayman und 911er Kunden wildern. Mit dem aus dem Toyota Camry entliehenen V6 erinnert der knapp 1400 kg schwere Evora spontan an die Honda NSX. Die Torsionssteifigkeit des neuen Chassis soll 2,5mal so hoch sein wie beim Elise und Exige. Unsere englischen Kollegen attestieren dem Evora ein herausragendes Handling. Wir glauben das gerne und erfreuen uns an dem perfekt in der Hand liegendem Lenkrad und den hochwertigen Schalensitzen.
Die Platzverhältnisse präsentieren sich allerdings erstaunlich kompakt. Die Sitzplätze in den hinteren Reihen dürften selbst Kindern nur auf Kurzstrecken zumutbar sein, während der Kofferraum hinter dem Aggregat durchaus als ausreichend zu klassifizieren ist. Der Einstiegspreis für den 280 PS starken Flitzer liegt vermutlich bei stolzen 59.900 Euro. Dafür aber kriegt man ein Auto, welches garantiert nicht an jeder Ecke zu finden ist und dessen Design für viele drehende Köpfe sorgen dürfte. Uns gefällt vor allem das futuristische Heck mit den isolierten Rundleuchten.
Da ist die daneben stehende Elise freilich ein bekannter Anblick. Unglaublich immer wieder wie flach und klein der Leichtbaurenner in Erscheinung tritt. Die Elise ist die unverfälschte Kompromisslosigkeit in der Sportwagenwelt. Eine 860 kg leichte Hommage an die großen Chapman Legenden Super Seven und Elan. Aktuell offerieren die Engländer eine preislich besonderes attraktive Variante: Die Lotus Elise Club Racer. Mit 31.000 Euro kostet die Mittelmotorflunder mit Aluchassis weniger als ein gut ausgestatteter Mini Cooper Works.
Der hat zwar fast doppelt soviel Leistung aber ebensoviel Mehrgewicht. Beim Fahrspaß dürfte es die kleine Elise mit Autos aufnehmen können die gut 5mal so teuer sind. Selbst die Alltagstauglichkeit kommt nicht zu kurz. Im Bug findet sich ein erstaunlich großzügiger Gepäckraum, indem sich auch das Stoffverdeck problemlos unterbringen lässt. Wozu also noch auf einen serienreifen VW Blue Sport warten wenn eine Lotus Elise längst zu diesem Preis in den Schaufenstern steht?
Oder vielleicht doch den Artega GT. Der „neue deutsche Sportwagen“ aus dem Hause Paragon Cockpit Systeme. Seit den ersten Vorserienexemplaren hat sich inzwischen schon einiges getan. Zur Auslieferung der ersten Kundenautos wurden unter anderem die Außenspiegel komplett neu entwickelt und die Motorsoftware überarbeitet. Der kompakte Flitzer mit VW Heckmotor und 300 PS kostet in der überaus kompletten Grundausstattung 89.000 Euro. Mit nur 1245 kg DIN Gewicht ist der Artega GT eine reizvolle Alternative zu einem Cayman S für Individualisten, die das Besondere zu schätzen wissen. Da wir uns auf einer kurzen Testfahrt von dem Wagen schon überzeugen konnten warten wir umso gespannter auf eine Runde im fertigen Serienmodell. Interessenten dürften sich vor allem über den tiefstimmigen Sechszylinder freuen. Noch nie klang ein Aggregat aus dem VW Baukasten so authentisch.
Puh, jetzt sind wir geschafft. Der Stand von Aston Martin ist unsere letzte Station. Einmal noch im Rapide Maß nehmen. Zuvor aber schenken wir dem ausgestellten V12 Vantage unsere Aufmerksamkeit. Was soll man schreiben über einen Aston Martin mit zwölf Zylinder, über 500PS und dieser Form? Schon der normale V8 Vantage geht als hochkarätiger Traumwagen durch und auf dieses Modell trifft das gleiche zu. Ein Gentleman von der Ölwanne bis zur Heckklappe. Aber Moment, was haben eigentlich die geriffelten Lufteinlässe auf der Motorhaube im Mitsubishi Evo Style da verloren? Das hätte man dezenter lösen können.
So wie beim neuen 4-Sitzer aus Gaydon. Das neueste Werk der Engländer ist unverkennbar als Aston Martin zu identifizieren. Die Rundungen sind perfekt modelliert, der britische Panamera wirkt filigraner als sein deutscher Konkurrent. Auch im Innenraum beweist der Rapide Stil und Eleganz bis in die kleinsten Fugen. Da ist kaum eine Kritik zu hören bis man auf den Rücksitzen Platz nimmt. Wie heißt es so oft: Wer schön sein will muss leiden. Die eingeschränkte Kopffreiheit und die vergleichsweise geringe Ellenbogenfreiheit können als Kehrseite der flachen Dachlinie und des Transaxle-Getriebes interpretiert werden. Der beste Platz dürfte als auch hier wieder hinter dem Fahrerplatz sein.
Im Presseshuttle wollen wir darauf eher verzichten. Wir lassen uns im klimatisierten Heck des A4 TDI Richtung Kongresszentrum chauffieren und sortieren ausgiebig die Pressemappen. Welche Neuheiten haben uns am Meisten berührt, was ließ unser benzingetränktes Herz eher kalt? In einem sind wir uns schnell einig: Obwohl die ökologisch verträgliche Fortbewegung als Hauptthema rund um die diesjährige IAA gelten muss, sind es in erster Linie die PS-mächtigen Tempobringer die im Rampenlicht stehen. Egal ob 458 Italia, SLS AMG, R8 Spyder, Wiesmann GT5 Roadster oder Brabus one of ten. Solange es Leute gibt, die sich solche Träume leisten können wird es auch Autos geben bei denen der Weg weiterhin das Ziel ist. Man lebt schließlich nur einmal.
Fotos: Dirk Schmied
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