Auf dem Genfer Autosalon im März 2008 war es soweit. Das Serienfahrzeug feierte Weltpremiere. Viele Interessenten bestaunten das spektakuläre Design des puristischen Zweisitzers. Über 150 davon dürfen sich auch auf die Performance des 750 kg leichten Renners freuen. Und die liegt auf dem Niveau der ganz Großen in der Sportwagenwelt.
Bei dem in Genf gezeigten Modell handelt es ich um das Sondermodell KTM X-Bow Dallara. Nur 100 Exemplare werden hiervon gebaut. Es unterscheidet sich durch eine Premiumausstattung und einer Plakette mit Nummerierung. Ist aber bereits ausverkauft. Die Produktion startet in der ersten Jahreshälfte 2008. Die Produktionskapazität beträgt maximal 1000 Fahrzeuge jährlich.
Audi und Dallara als Technikpartner
Kommen wir zur Technik. Als zweitgrößter Motorradhersteller Europas und Weltmarktführer im Offroadsegment verfügt KTM grundsätzlich über jede Menge Knowhow. Zur Unterstützung holte man aber noch zwei Spezialisten mit an Bord. Der italienische Rennwagenbauer Dallara sorgt für eine ausgeklügelte Aerodynamik. Audi für die nötige Power.
Der KTM X-Bow ist eine reine Fahrmaschine. Alles konzentriert sich nur auf eines. Puristisches und filterloses Fahrvergnügen zu erzeugen. Zu diesem Zweck wurde alles was nicht der Fahrdynamik zu Gute kommt, weg gelassen. Komfort sucht man hier vergebens. Nicht einmal Türen gibt es beim X-Bow. Auch keine Windschutsscheibe. Dadurch entfallen Wischerblätter und ein aufwendiges Heizsystem. Nur ein 70mm hocher, transparenter Windabweiser mindert die Luftturbolenzen.
Ausgeklügelte Ablagemöglichkeiten
Für einen Kofferraum ist natürlich auch kein Platz. Den ersetzt eine mobile Staubox, für Papiere und Kleinkram. Warndreieck, Erste Hilfe-Set, Tirefit-System und die Abdeckung (für geparktes Fahrzeug) finden sich in einem Staufach seitlich des Beifahrerfußraumes. Auch für zwei Helme gibt es eine spezielle Ablagemöglichkeit. In den Schalensitzen, die fest in die Kohlefaser-Konstruktion des Monocoque integriert sind, fühlt man sich wie in einem Rennwagen. Eine Auflage sorgt für straffen Komfort.
Größenunterschiede der Fahrer werden durch manuell einstellbare Pedale reguliert. Im Blickfeld des Piloten befindet sich nicht wie gewohnt eine klassische Instrumententafel, sondern ein kleines Display, das für die nötigen Informationen sorgt.
Kohlefaser drückt das Gewicht
Eine weitere Maßnahme um das Gewicht zu senken, ist der Einsatz von Kohlefaser. Hier gibt es jede Menge davon. Das leichte und sichere Kohlefasermonocoque wiegt gerade einmal 70 kg. Für die nötige Sicherheit wurde eine Crashbox integriert. 4-Punktgurte und Überrollbügel dienen ebenfalls als Lebensversicherung.
Der kompakte und leichte 2.0 TFSI 4-Zylinder Turbo von Audi passt hervorragend in das puristische Konzept des X-Bow. 240 PS bei 5500 U/min und 310 Nm Drehmoment zwischen 2000 - 5000 U/min haben leichtes Spiel mit den 750 Kg des Österreichers. Weshalb die Beschleunigung auf 100 km/h auch nur 3,9 Sekunden dauert. Geschaltet wird mit einem 6-Gang Getriebe, ebenfalls aus dem VW-Konzern. Eine Differenzialsperre gibt es auf Wunsch. Ansonsten wird auf jede Art elektronischer Assistenen verzichtet.
Hervorragende Abtriebswerte
Das Design des X-Bow stammt zwar aus dem Designstudio von Gerald Kiska, der mit KTM sein 15 Jahren eng verbunden ist, aber für die Aerodynamik ist Rennwagenspezialist Dallara zuständig. Der Wagen soll hervorragende Abtriebswerte erzeugen. Bei 200 km/h drücken 200 kg in Richtung Straße. Zusammen mit dem niedrigen Schwerpunkt und dem rennmäßigen Fahrwerk sind ernorme Kurvengeschwindigkeiten möglich.
KTM gibt eine Querbeschleunigung von 1,5 g an. Damit Unterboden und Diffusor optimal arbeiten können, wurden die Anlenkpunkte der hinteren Radaufhängung hoch gesetzt. Für die Bremsen ist Brembo zuständig. Mit 305mm vorne und 262mm hinten sind die Scheiben zwar nicht übermäßig dimensioniert, aber durch das geringe Gewicht des X-Bow ergibt das dennoch Spitzenwerte von 33,1 m bei warmer Bremse. Der Wagen steht vorne auf 17 Zoll (205/40) und hinten auf 18 Zoll (235/40) großen Rädern.
Fährt auch in FIA GT4 Serie
Das es KTM mit dem X-Bow ernst meint, zeigt auch das Engagement in der FIA GT-Serie. Der Wagen startet in der GT4 Sports Light Klasse. Die ersten Tests in Monza waren sehr erfolgsversprechend.
Wer angesichts des spartanischen und rennmäßigen Outfits des X-Bow um die Straßenzulassung fürchtet, der kann beruhigt sein. In den EU-Ländern ist dies kein Problem. Außerhalb der EU wird daran gearbeitet. Für Rechtslenker-Länder wie England oder Japan, wird es auch eine entsprechende Version geben.
Extras möglich
Trotz Minimalismus können Extras für den X-Bow bestellt werden. Hier bietet KTM einige Aerodynamik und Carbon-Uprade-Kits an. Dainese, ein italienischer Spezialist für Motorradbekleidung bietet eine besondere Bekleidungsserie an. Helme, Wind- und Wetterschutz, sowie in die Kleidung integrierte Technik für Sound und Mobiltelefonie.
Wer sind den eigentlich die Kunden eines X-Bow. KTM sagt, all diejenigen, die keinen Motorradführerschein besitzen, aber gerne in den Genuss des ungefilterten Fahrgefühls kommen möchte. Bestellungen werden für mindestens 54.561,40 Euro bei jedem KTM-Händer, im Werk oder Online angenommen. Mit entsprechender Ausstattung können es auch knapp 70.000 Euro werden.
Wem übrigens die Leistung von 240 PS nicht ausreicht, muss nicht traurig sein. KTM stellt ein Version mit ca. 300 PS in Aussicht. Außerdem sind da ja noch die Tuner. Der 2.0 TFSI Turbo lässt sich vorzüglich in die gewünschten Regionen pushen.
Text: Dirk Schmied
Bilder: KTM
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