Offen und herrlich.

Die Faszination Lamborghini hat viele verschiedene Stufen. Der pure Anblick löst bei den Meisten bereits leichte Adrenalinschübe aus. Der direkte Kontakt oder sogar mal reinsetzen ist für manche schon ein Erlebnis, über das man gerne spricht. Eine Fahrt im Gallardo wird für viele unerreichbar bleiben. Und für die wenigen, die diese Möglichkeit haben, werden die Eindrücke immer im Kopf verankert sein.
Das Entern des Cockpits, die fesselnden Sitze, die tiefe Sitzposition und das Starten des Zehnzylinders sind quasi das Vorspiel. Und man kann es kaum erwarten bis es endlich los geht. Der Gallardo enttäuscht nicht, und lässt keinen auf dem Trockenen sitzen. Unglaublich diese Power. Dazu der Sound, der von dunklen Mächten kommen zu scheint. Traktion, Fahrwerk, Bremsen, alles auf höchstem Niveau. Man wähnt im 7. Autohimmel zu schweben.
Verstärkte Sinne
Kann man das noch toppen? Na klar! Im Spyder. Mit geöffnetem Verdeck werden sämtliche Sinne verstärkt wahrgenommen. Im Frühjahr 2009 rollt der Gallardo LP 560-4 zu den Händlern. Genau richtig um die ersten Sonnenstrahlen genießen zu können.
Auf der Los Angeles Auto Show im Dezember 2008 war die Premiere des Lamborghini Gallardo LP 560-4 Spyder. Stilistisch an das Coupé angepasst, übernimmt er auch dessen Technik. Aus dem 5,0 Liter V10 und 520 PS wird nun der 5,2 Liter V10 mit nunmehr 560 PS bei 8.000 U/min. Der Motor stammt von Konzernmutter Audi. Zu finden auch im S6, S8 oder gerade vorgestellt, im R8 V10. Jedoch besitzt Lamborghini, wie es sich gehört, die schärfste Variante.
In 20 Sekunden dem Himmel näher
Abgesehen vom Stoffverdeck, das es in vier Farben (schwarz, blau, grau, beige) gibt, besitzt der Spyder im Gegensatz zum Coupé eine etwas höhere Schulterlinie, um das Verdeck unter zu bringen. 20 Sekunden dauert übrigens das öffnen oder schließen des Daches. Das Verdeck verschwindet komplett. Bis auf die Heckscheibe. Die dient als Windschott. Wesentlich schneller geht das heraus schnellen der hinter den Sitzen versteckten Überrollbügel bei einem Überschlag. 250 Millisekunden benötigen die Lebensretter im Notfall.
Der Cabrio bedingte Nachteil beim Thema Steifigkeit, wird durch Verstärkungen in der Space-Frame-Struktur der Karosserie ausgeglichen. Dadurch steigt das Gewicht im Vergleich zum Coupé etwas an. 1.550 Kilo wiegt der Spyder. Jedoch 20 Kilo weniger als das Vorgängermodell. Die Fahrleistungen beeinträchtigt das kaum. Von Null auf Hundert in 4,0 Sekunden (Coupé 3,7 Sek.). In der Spitze fehlt dem Spyder mit 324 km/h nur 1 km/h auf die geschlossene Variante. Bei dem gewonnenen Fahrspaß ist das durchaus verschmerzbar.
Um 40 Prozent verkürzte Schaltzeiten
Um diese Performance auf die Straße zu bringen, bedarf es nicht nur hohe PS Zahlen, sondern entsprechende Technik. Der permanente Allradantrieb mit Visco-Kupplung und ein Differenzial für die Hinterachse mit 45 prozentiger Sperrung helfen da ungemein. Ein leichteres Getriebe und um 40 Prozent verkürzte Schaltzeiten im „Corsa Mode“ tun ihr übriges dazu bei. Mit der Launch Control im „Thrust Mode“ gehen Beschleunigungsorigien noch leichter von der Hand.
Die sehr hohen Kurvengeschwindigkeiten und das sichere Fahrverhalten gehen auch auf das Konto des knackigen, aber nicht zu harten Fahrwerks und der breiten Bereifung in den Dimensionen 235/35 ZR 19 vorne und 295/30 ZR 19 hinten. Wer gerne auf Rennstrecken fährt, kann das ESP in zwei Stufen herabsetzen, und auf die eigenen Fähigkeiten vertrauen. Für Anpressdruck sorgt auch der Heckspoiler, der bei 120 km/h automatisch ausfährt. Extrem gut sind auch die Bremsen des Gallardo LP 560-4 Spyder. 365er Scheiben vorne (8-Kolben-Festsättel) und 356er hinten (4-Kolben-Festsättel) verzögern brachial. Optional gibt es das Ganze in Keramik mit noch größeren Scheiben vorne (380 mm).
Trotz dass der Gallardo stärker und schneller geworden ist, sinkt der Benzinverbrauch um bis zu 18 Prozent. 14 Liter gibt Lamborghini für 100 km an (e-gear). Die 6-Gang Schaltversion genehmigt sich einen Liter mehr. Wer zufällig 191.495 Euro übrig hat, sollte sich das elitäre Vergnügen einen Lamborghini Gallardo LP 560-4 Spyder zu fahren unbedingt gönnen.
Text: Dirk Schmied
Bilder: Lamborghini
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