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Brabus Bullit

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Frankfurt IAA 2007. Brabus Stand. Denke an nichts Böses. Links eine schöne S-Klasse, rechts der SL, dann der Rocket. Kenne ich schon. Trotzdem sehr schön. Nichts Neues dachte ich und wollte schon wieder Richtung Ausgang. Aber irgendetwas machte mich stutzig.

Bullit. Wieso Bullit? Das ist doch der Rocket. Wieso haben die zwei dabei? Die ersten flüchtigen Blicke sahen nur das Schild V12 Biturbo und 730 PS. Doch bei genauerem Hinschauen entpuppte sich der vermeidliche CLS als C-Klasse… Das ist eine C-Klasse!!! Ja sind die denn verrückt?! Ach nein, ich war ja bei Brabus!

24,5 Sekunden auf 300 km/h

Ich versuchte mir vorzustellen, was ein solches Monstrum von Motor mit einer relativ leichten C-Klasse anstellt. In der Tat sprechen die angegebenen Fahrleistungen eine deutliche Sprache. 0-100 km/h in 3,9 sec. Bis 200 km/h sind es 10,5 und bis 300 km/h 24,5 Sekunden. Zum Vergleich: ein SLR braucht bis 300 etwas über 30 Sekunden. Und wenn es um die Höchstgeschwindigkeit geht, gibt es nur noch eine Hand voll Kandidaten, die schneller sind. Über 360 km/h gibt Brabus an. Der kommende Test in Nardo wird es zeigen.

Angetrieben wird der Bullit von dem bereits aus dem Rocket und mittlerweile auch aus anderen Modellen bekannte SV12 S Biturbo Hubraummotor. Der Serienmäßige 5,5 Liter V12 Biturbo wird in der eigenen Motorenschmiede auf 6,3 Liter vergrößert. Größere Zylinderbohrungen, spezielle Kurbelwelle, Kolben und Pleueln sind dafür verantwortlich. Weiterhin wurden die Zylinderköpfe bearbeitet und mit Spezialnockenwellen bestückt. Dazu kommt eine komplett neue Turboanlage mit zwei größeren Ladern und effizienteren Ladeluftkühlern. Staudrucksenkende Metallkatalysatoren und eine für die neuen Anforderungen maßgeschneiderte komplett aus Edelstahl gefertigte Hochleistungsauspuffanlage lässt den Bullit freier ausatmen.

1320 Nm Drehmoment wären möglich

Ergebnis der Brabus-Kur sind beeindruckende 730 PS und ein auf 1100 Nm elektronisch begrenztes Drehmoment. 1320 Nm wären möglich. Aber aus Rücksicht auf die Haltbarkeit der Kraftübertragung steckt man lieber ein wenig zurück. Weshalb auch die gute alte 5-Gang Automatik zum Einsatz kommt. Das neue modernere 7-Gang Getriebe ist den hohen Anforderungen nicht gewachsen.

Damit sich die Hinterräder im Format 285/30 ZR 19 ( vorne 265/30 ZR 19 ) nicht in Rauch auflösen, kommt ein Differential mit 40% Sperrwirkung zur Hilfe.

Aerodynamische Änderungen waren notwendig

Als quasi Hochgeschwindigkeitsspezialist hat die Mannschaft um Bodo Buschmann natürlich auch alle anderen Komponenten berücksichtigt. Ganz entscheidend ist hier natürlich die Aerodynamik. Die im Windkanal optimierten Komponenten helfen den Auftrieb zu minimieren. Die Frontschürze sieht nicht nur gefährlich aus, sondern hat auch die Aufgabe, die Luftzufuhr zu den Kühlern und Bremsen zu optimieren. Beleuchtete Seitenschweller beruhigen den Luftstrom. Der dreiteilige Heckspoiler und der Difusor sorgen ebenfalls für eine sichere Fahrt bei Geschwindigkeitsregionen, bei denen den meisten Sportwagen schon die Luft ausgeht.

Selbstverständlich muss auch das Fahrwerk den neuen Gegebenheiten angepasst werden. Das jeweils zehnfach in Zug- und Druckstufe verstellbare Gewindefahrwerk  mit Gasdruckdämpfern ist sportlich-komfortabel abgestimmt. Sportstabilisatoren reduzieren die Seitenneigung auf ein Minimum. Gebremst wird mit einer Brabus Hochleistungsbremsanlage.

Nabukkaleder und Alcantara zieren den Innenraum

Im Inneren herrscht ebenfalls ein Mix aus Sportlichkeit und Komfort. In der hauseigenen Sattlerei wird feinstes Nubukleder und Alcantara großzügig verarbeitet. Ein Prise Carbon (Armaturenbrett, Mittelkonsole, Türverkleidung und Sitzrückenverkleidung) unterstreicht die sportlichen Ambitionen.

Noch kurz zum Preis. 414.120 Euro für eine C-Klasse? Nein, das kann man so natürlich nicht sagen. Es ist viel mehr eine weitere Fingerübung der Brabus Ingenieure und Beweis der technischen Kompetenz. Aber stellen Sie sich doch einmal den Spaß vor, mit einer vermeintlichen Mercedes C-Klasse einen Ferrari Enzo zu jagen. Das ist unbezahlbar.

Aber eines Frage ich mich immer noch: Wie haben die den Motor da bloß rein bekommen?

 

Text: Dirk Schmied

Bilder: Brabus

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